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Kystfort.com – „Norwegens größtes Internetforum im Bereich der Okkupation und Militärgeschichte Deutschlands zwischen 1940 und 1945“

Screenshot der Startseite von Kystfort.com

Screenshot der Startseite von Kystfort.com

Das norwegische Informations- und Blogprojekt Kystfort.com wurde im Jahr 2005 erstmals erstellt und ist ausschließlich in norwegischer Sprache verfügbar. Dabei handelt es sich um eine Mischung aus WordPress-Blog, Informationssammlung und Internetforum. Betreiber des Projekts ist der norwegische Grafikdesigner Erik Hårberg, wobei projekteigene Beiträge auch von diversen anderen Autoren stammen. Das Ziel der Internetseite ist offenbar eine Darstellung und Vermittlung von Informationen rund um die deutsche Militärgeschichte in Norwegen der Jahre 1940 bis 1945, vorzugsweise deutsche Festungs- und Bunkeranlagen (“Atlantikwall”) betreffend. Gestützt wird Kystfort von einem Webshop namens Krigsbunkeren.no, der Texte, Bücher und Bilder, die im thematischen Bereich des Krieges in Norwegen angesiedelt sind, anbietet und ebenfalls von Hårberg betrieben wird.

Wie bereits erwähnt, handelt es sich bei Kystfort prinzipiell um einen WordPress-Blog, also ein System, durch welches einem Autor ermöglicht wird, ohne großartige Programmierungs- und Designkenntnisse mehr oder weniger regelmäßige Beiträge zu veröffentlichen, diese mit diversen Online-Medien, wie hypertextliche Querverweise oder Youtube-Videos, zu verbinden und anschließend mit Hilfe einer Kommentarfunktion zur Diskussion zu stellen. Doch der eigentliche, zentrale Inhalt der Seite besteht eher weniger aus dem Blog, da quantitativ kaum nennenswerte Beiträge veröffentlicht wurden (11 Beiträge im gesamten Jahr 2013). Der Großteil dieser Beiträge besteht aus kurzen Zusammenfassungen von Zeitungsartikeln, in denen das projektspezifische Thema behandelt wurde, bspw. als 2013 ein ehemaliger deutscher Bunkerkomplex in der Nähe von Stavanger im Zuge eines Wohnungsbauprojekts entdeckte. NRK berichtete über diesen Fund und thematisierte die Frage, was mit solchen Erinnerungsträgern geschehen soll (http://www.kystfort.com/?p=192).

Der Großteil des Inhalts von Kystfort besteht aus dem Forum, das man über den ersten Link in der horizontal verlaufenden Navigationsleiste erreichen kann. Neben der Vielfältigkeit der Kategorisierungen von Thematiken innerhalb des Forums, ist die Statistik von über 64.000 Beiträgen bei rund 3.800 registrierten Mitgliedern (Stand: 03.03.2014) enorm. Kystfort selber bezeichnet das Forum als Norwegens größtes Internetforum, das im Bereich der Okkupation und Militärgeschichte Deutschlands zwischen 1940 und 1945 angesiedelt ist. Es werden klare Benutzungsrichtlinien vermittelt, die politische Aussagen aus jedweder Richtung nicht dulden und ebenfalls dazu dienen, klarzustellen, dass das Kystfort-Forum ein unpolitischer Diskussionsort für historisch Interessierte ist.

Über den zweiten Menüpunkt der Navigation gelangt man zum allgemeinen Abschnitt der deutschen Bunkeranlagen in Norwegen, wobei sich hier ein Untermenü zur Spezifizierung in die verschiedenen Küstenregionen öffnet. Interessant ist hierbei, dass keiner dieser Inhalte – man nimmt beim ersten Blick an, es handle sich hier um die inhaltlich größte Subpage von Kystfort – explizit zu Kystfort gehört bzw. überhaupt Inhalt bietet, denn jeder der Links zu den verschiedenen Regionen beinhaltet eben keinen selbst verfassten Artikel mit Informationen o.Ä., sondern lediglich eine Verlinkung zum jeweiligen Bereich des Forums, was in keinster Weise erkennbar ist.

Der nächste Punkt in der Navigation lautet “Kystfort Informasjon” und beinhaltet eine Weiterleitung auf eine Seite innerhalb des WordPress-Blogs, auf der sämtliche Meldungen bzgl. des Projekts selber dargestellt werden, also im Grunde eine Zusammenfassung der Blogbeiträge, die das eigene Projekt betreffen, wie bspw. Änderungen an der Homepage. Dieser Kategorie kann man entnehmen, dass die Umstellung auf WordPress erst 2013 erfolgte und der Inhalt zuvor noch über ein anderes, nicht genanntes System dargestellt wurde.

Der darauf folgende Navigationspunkt ist der bereits erwähnte Webshop, der dem Projekt als (finanzielle Stütze) dienen soll. Hier wird man auf eine an sich fremde URL verlinkt (www.krigsbunkeren.no). “Nyheter fra land og strand” [dt. Neuigkeiten von Land und Strand] bildet den vorletzten Abschnitt der Navigation. Hier sind sämtliche Blogbeiträge zu finden, die sich nicht um das Projekt selber drehen, sondern konkreten thematischen Inhalt besitzen. Wie bereits erwähnt, handelt es sich hier zumeist um bereits veröffentlichte Artikel oder Beiträge, die kurz zusammengefasst und verlinkt werden.

Die letzte Kategorie “Kystfortblogg” beinhaltet lediglich einen Beitrag, der im Grunde nur aus einem einzigen Link zu einem PDF-Dokument besteht, welches sich “Andørja 1940-1945” nennt. Darin enthalten sind schriftlich festgehaltene Interviews von Zeitzeugen, die in diverse Kategorien unterteilt worden sind und von Evakuierung bis Widerstandsarbeit reichen.

Darüber hinaus bietet Kystfort weitere, für Blogs übliche Inhalte, wie eine Suchfunktion, ein Direktzugriff auf das Beitrags- und Kategoriearchiv sowie eine Kurzübersicht der letzten fünf Beiträge des Blogs. Ferner befindet sich auf der Startseite ein Kalender, der allerdings komplett ohne (aktuellen) Inhalt ist und dazu dienen soll, an bestimmte historische Ereignisse oder sonstige Aktivitäten, wie Ausstellungen o.Ä. in Kalenderform zu erinnern. Hinzu kommt, dass man direkt zu Beginn mit privaten Fotografien von bestimmten Bunkeranlagen konfrontiert wird.

Was die visuelle Umsetzung betrifft, wirkt das Projekt recht unfertig und erweckt den Anschein, als wäre es noch in der Entwicklungsphase. So befinden sich auf der Startseite am oberen und unteren Rand jeweils ein schwarz hinterlegter Bereich, der Webdesign-Vorlagentexte beinhaltet (Bsp.: “You can change this text using theme Settings > Footer”). Der gesamte Hintergrund der Webseite besteht aus einer offenbar von Hårberg selbst angefertigten Karte Norwegens, auf der sämtliche Bunkeranlagen und Stellungen eingezeichnet sind, und welche nebenbei auch im Webshop zum Verkauf steht und darüber hinaus auch Hintergrund des Webshops ist und das Logo dessen beinhaltet. So steht man also vom ersten Moment mit Werbung des Shops in Kontakt. Der Blog an sich ist in hellen Farben, vorwiegend weiß, hellgrau und blau gehalten, wobei die verschiedenen Bereichsüberschriften schwarz hinterlegt sind, wodurch diese sich ganz klar vom Rest abheben, was im Allgemeinen eine recht hohe Übersichtlichkeit sowie Neutralität hinsichtlich der Farbgebung zur Folge hat.

Das Logo der Projektseite Kystfort steht gut sichtbar direkt über der Navigationsleiste und besteht aus einer stilisierten Abbildung des von Stacheldraht umgebenen 28cm Geschützes der Festung Fjell. Da der Stacheldraht beinahe schon provokativ um das Geschütz verläuft, könnte man darin die Forderung zur Bewahrung von Küstenstellungen in Norwegen als Erinnerungsort des Krieges (norw. “krigsminne”) deuten. Mit Blick auf das Forum, den inhaltlich vermeintlich größten Teil der Seite, sticht einem die Bannerwerbung im Header ins Auge. Zum Einen wird auch hier mittels Banner für den Webshop geworben, aber zum Anderen existiert auch ein Banner, der für einen fremden Webshop für Outdoorbekleidung und Ausrüstung mit dem Slogan “Utstyret til Bunkerturen finner du hos oss!” [dt. “Ausrüstung für Bunkertouren findest du bei uns!”] wirbt (www.utstyrskontroll.no).

Das Projekt kann teilweise als problematisch eingeschätzt werden, denn der erste Eindruck der Seite ist durchzogen von obskur und beinahe schon verherrlichend wirkenden Abbildungen. Man wird förmlich überrannt von Fotos deutscher Küstengeschütze, was, speziell in Verbindung mit der scheinbaren Lückenhaftigkeit der visuellen und teilweise auch inhaltlichen Bearbeitung, das Projekt in eine gewisse Unseriosität drängen könnte. Auch die Aufdringlichkeit der Werbung durch das gewählte Hintergrundbild des Blogs trägt ihren Teil dazu bei. Dabei ist die Intention von Kystfort, nämlich das Bewahren von Bunkeranlagen der Deutschen im besetzten Norwegen als Erinnerungsorte des Krieges, eine durchaus sinnvolle und meines Erachtens nach auch lobenswerte. Dabei scheinen die Betreiber auf reges Interesse zu stoßen, wie es die Statistiken des Forums offenlegen. Laut eigener Aussage sind die Mitglieder über das ganze Land verstreut und haben Spaß daran, Touren durchzuführen und Überreste oder bestehende Bunkeranlagen zu entdecken oder zu fotografieren und Besonderheiten zu diskutieren. Sogar gemeinsame “Community-Treffen” zu gemeinsamen Touren werden geplant und auf Bildern festgehalten. Auf der anderen Seite erscheint es als problematisch, dass Autoren oder Betreiber kaum klar erkennbar sind. Informationen über Hårberg findet man erst über die Verlinkung zum Webshop und von dort zu seiner persönlichen Homepage.

Abschließend lässt sich sagen, dass Kystfort ein interessantes Projekt ist, das einen positiven Grundgedanken beherbergt, den offensichtlich sehr viele User teilen. Die teils misslungene Umsetzung, die an einigen Stellen recht lückenhaft und unfertig wirkt, verhält sich hier wie eine Hürde. Offenbar hatte man 2013 vor, Kystfort auf WordPress umzustellen, doch es wirkt, als wäre dieses Vorhaben angefangen und nie beendet worden, was sehr schade ist, da besonders das Forum ein wertvoller Ort zu sein scheint, der ziemlich ungeschickt in die Seite eingebunden ist, sodass die Unübersichtlichkeit vorherrscht.

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© Andrea Gjestvang | Agentur MOMENT

© Andrea Gjestvang | Agentur MOMENT

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