Beiträge mit dem Schlagwort: Elina Sana

„Bei uns gibt es keine Judenfrage“

„Bei uns gibt es keine Judenfrage“ (Rautkallio 2004, 215) sagte Johan W. Rangell (finnischer Premierminister 1941 – 1943) angeblich zu Heinrich Himmler. Damit sollte zum Ausdruck gebracht werden, dass Finnland „historisch praktisch unbelastet vom Antisemitismus“ (Zägel 2007, 185) war. Weder kam es zur Verabschiedung antisemitischer Gesetze, noch zu (offiziellen) Auslieferungen durch die Regierung. Das ist jedenfalls die Darstellung Hannu Rautkallios in seinem Werk zur finnischen Geschichte des Zweiten Weltkrieges. (Finland and the Holocaust: The rescue of Finland`s Jews.) Zwar beschäftigt Rautkallio sich mit Auslieferungen von insbesondere russischen und estnischen Flüchtlingen in das deutsch besetzte Estland, begründet diese allerdings mit der Verletzung des finnischen Asylrechts. Die im Vordergrund schwebende Botschaft ist: Finnland hat sich während des Zweiten Weltkrieges für den Schutz seiner Juden eingesetzt.

Kontrovers dazu forscht die finnische Sozialwissenschaftlerin Elina Sana, die nachweisen konnte, dass sowohl die offiziellen als auch die inoffiziellen Verbindungen zwischen Deutschland und Finnland sprich Gestapo und Valpo (finnische Staatspolizei) viel enger und verstrickter waren als bis dahin angenommen wurden ist. Unter anderem fand sie Dokumente, die bewiesen, dass etwa 3000 sowjetische Kriegsgefangene und mindestens 129 Zivilisten an die Gestapo und SD ausgeliefert worden sind, von denen die meisten in Konzentrationslagern starben. Darunter befanden sich circa 70 Juden. Sanas Veröffentlichung war zu Beginn sehr umstritten, brachte sie doch das finnische Selbstbild zum Wanken. Daher führte ihre Veröffentlichung auch zu einem Auftrag der Regierung, ihre Befunde zu untersuchen. Diese Aufgabe kam dem Historiker Heikki Ylikangas zu, der Sanas Ergebnisse nicht nur bestätigte sondern auch zu weiteren Forschungen anregte.

Weiterführende Literatur:

Zägel, Jörg; Reiner Steinweg: „Vergangenheitsdiskurse in der Ostseeregion. 1. Auseinandersetzungen in den nordischen Staaten über Krieg, Völkermord, Diktatur, Besatzung und Vertreibung“. Berlin 2007.

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Finnland und Deutschland – eine gefährliche Freundschaft

Hitler beim Überraschungsbesuch zum 75. Geburtstag Mannerheims

Hitler beim Überraschungsbesuch zum 75. Geburtstag Mannerheims [Published in Suomen Kuvalehti 1942]

Wir beschäftigen uns mit der Geschichte Finnlands am Anfang des 20. Jahrhunderts. Wir untersuchen welche Aspekte der finnischen Geschichte des Zweiten Weltkrieges im Internet verschwiegen werden. Um unsere Forschungsarbeit in einen größeren Zusammenhang betten zu können, beginnen wir mit Finnlands Unabhängigkeit 1917. Um diese Unabhängigkeit zu bewahren, trat die finnische Regierung in Kontakt zu Deutschland. Daher untersuchen wir die Beziehungen zwischen Finnland und Deutschland und welche Umstände zu einer Zusammenarbeit zwischen diesen beiden Ländern – hauptsächlich während des Zweiten Weltkrieges – führten.

Unsere Grundlage bildet Literatur von Oula Silvennoinen und Elina Sana, die uns als Hintergrund für unsere Untersuchung von Internetseiten dient. Unter anderem befassen wir uns mit der Internetseite des Bundes finnischer Kultur und einer von HistorikerInnen geschaffenen Seite über finnische Kultur und Geschichte. Unser Fokus bei der Untersuchung der Internetseiten liegt auf den Aspekten der finnischen Geschichte des Zweiten Weltkrieges, die verschwiegen werden. Die Forschung zu diesem Thema begann erst Anfang des 21. Jahrhunderts, als sich die Forschungsgruppe um die finnische Journalistin Elina Sana des Quellmaterials aus dem Zweiten Weltkrieg erneut annahm. Diese Arbeit bekam aufgrund ihrer Brisanz große internationale Aufmerksamkeit und die Forschung zu diesem Thema wurde daraufhin vertieft.

Unsere Vermutung ist, dass durch die Aktualität dieses Themas vor allem das Internet eine geeignete Plattform sein müsste, um diese Forschungsergebnisse zeitnah abzubilden und darauffolgende Reaktionen einzufangen. In den folgenden Beiträgen werden wir nicht nur intensiver auf Oula Silvennoinen und Elina Sana eingehen, sondern auch einige Internetseiten vorstellen.

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