Kong Haakons tale, 17. Mai 1940

Die klassische Quellenkritik stößt bei der Untersuchung moderner Medien häufig an ihre Grenzen. Bei herkömmlichen, in schriftlicher Form vorliegenden Texten, ist es erheblich einfacher, Entstehungsrahmen und -hintergrund zu rekonstruieren. Deutlich komplizierter gestaltet sich dies bei digitalen Quellen und man sieht sich von vornherein mit der Frage nach der Authentizität konfrontiert. Dies ist der Grund, wieso im Folgenden die zu untersuchende Quelle, König Haakons Rede vom 17. Mai 1940 (zu finden auf der offiziellen Website des Königshauses), nicht primär im Hinblick auf den Materialhintergrund hin, sondern auf ihre inhaltliche Interpretation, sprich ihre Rhetorik und ihre ihr zu Grunde liegende Ideologie untersucht werden soll.

Bei der äußeren Kritik sind vor allem vier Punkte entscheidend: Entstehungsort, -zeit, Verfasser und Adressat. Schon bei der Ortsangabe gibt es erste Schwierigkeiten. Auf der Internetseite des Königshauses findet sich auf den ersten Blick keine diesbezügliche Angabe. Folgt man jedoch den verlinkten Seiten, kann man feststellen, dass eine weitere Rede Haakons des selbigen Tages in Bodø entstanden zu sein scheint. Man kann also davon ausgehen, dass der König sich mit großer Wahrscheinlichkeit entweder dort oder in Tromsø aufhielt, da sich hier seit dem 1. Mai der Regierungssitz befand. Das Ausstrahlungsdatum wiederum ist klar angegeben, Verfasser (Haakon) und Adressat (das norwegische Volk) gut nachzuvollziehen. Daher liegt, wie einleitend bereits hingewiesen, die größte Problematik wohl in der Ermittlung des übertragenden Mediums bzw. des ausstrahlenden Radiosenders. Norsk rikskringkasting (NRK), als größter staatlicher Sender bereits am ersten Tag der Besatzung von den Deutschen übernommen, fällt hier aller Wahrscheinlichkeit nach weg. Spekulierend könnte man annehmen, dass es sich um eine lokale Rundfunkanstalt handelte. Dennoch sollte man sich bei der vorliegenden Quelle die Frage nach der Authentizität stellen, wenn die Herkunft nicht eindeutig zu klären ist. Aus dem gesichteten Material allein lässt sich die Herkunft nicht eindeutig klären, es sollte jedoch davon ausgegangen werden können, dass es sich bei der offiziellen Seite des norwegischen Königshauses um einen seriösen Bereitsteller handelt und von einer authentischen Datei gesprochen werden kann.

Befasst man sich nun genauer mit dem Inhalt der Rede Haakons, sollten einige historische Hintergründe im Vorfeld kurz erläutert werden. Wie bereits erwähnt, befand sich Norwegen zum Zeitpunkt der Ausstrahlung schon einige Zeit unter der Besatzung der Deutschen Wehrmacht, die am 9. April in Norwegen im Zuge der Weserübung einmarschierte. Haakon lehnte nach Absprache mit seiner Regierung eine Kapitulation ab und flüchtete am 7. Juni ins Exil nach London. In Norwegen formierte sich über die Jahre der Okkupation hinweg ein organisierter Widerstand, der im Nachhinein oft als großes nationales Identifikationsbild gesehen wurde.

Der 17. Mai, der in der Rede von Haakon erwähnt wird, ist der norwegische Nationalfeiertag.

Wie geht der König nun also in seiner Ansprache vor? Meiner Meinung nach gibt es hier drei wichtige Stationen, die auch einer festen Reihenfolge folgen. Als erstes lässt sich hier das Zusammenfassen der Lage, die Rechtfertigung und Verteidigung seiner Entscheidungen, „vi valte så langt det lot seg gjøre å sette alt inn på å bevare selvstendigheten “(Min. 1:52,) und natürlich der Vorwurf dem Gegner gegenüber, „forferdelig urett den har begått“ (Min. 1:20), nennen. Haakon schafft hier also zunächst eine Grundlage für die Diskussion, ein Fundament für seine Argumentation, bei der er und seine Entscheidungen eine nachvollziehbare Motivation bekommen.

Der nächste Punkt ist der Kontakt zum Volk. Dies geschieht, indem er einerseits einzelne Bevölkerungsgruppen („telegraffolk, jernbanefolk, arbeidere“(Min. 3:40), „marinen“(Min. 3:07)) als positives Beispiel hervorhebt, „[som] har hjulpet militærvesenet i disse vanskelige dager“(Min. 3:35), andererseits aber an die ganze „sivilbefolkningen“(Min. 4:02) appelliert. Indem er hier die breite Masse einbezieht, schafft er eine Identifikationsgrundlage für das gesamte Volk. Zudem wird sogleich auch der zukünftige Verbündete zweifelsfrei festgestellt: „med våre alliertes hjelp“(Min. 2:40) soll die Freiheit zurückgewonnen werden.

Eng hiermit einhergehend, als letztes und vielleicht wichtigstes Glied in seiner Argumentationskette, steht der positive Ausblick in die Zukunft, den der König gibt. Ein Volk unter Fremdverwaltung braucht Hoffnung und Haakon gibt sie der Bevölkerung: es ist von elementarer Bedeutung „ ikke å oppgi troen på og håpet om at dere skal befries“(Min. 4:37). Denn nur so können die Menschen ihre Aufgabe erfüllen: „å bevare Norge som et fritt, selvstendig land“(Min. 4:59).

Haakons Rhetorik ist klar, präzise und perfekt konstruiert. Er gibt seinem Land, seinem Volk eine Aufgabe, mit dem es seine Hoffnungen verbinden kann. Er schafft eine argumentativ unterstützte Grundlage für den Widerstand, für die Identifikation eines jeden norwegischen Bürgers. Schließlich stellt er auch die Verbindung zwischen sich und seinen Untergebenen her, der vielleicht wichtigste Gesichtspunkt. Haakon sichert sich so die zukünftige Unterstützung.

Dass er mit seiner Argumentation wichtige Impulse gab, kann man am sich bald darauf formierenden Widerstand herauslesen. Inwieweit aber Haakons Rede den Widerstand tatsächlich beeinflusste, kann heute nicht mehr eindeutig nachvollzogen werden.

– verfasst von Felix Guhl (Bachelorstudierender der Skandinavistik/Nordeuropa-Studien am Nordeuropa-Institut)

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Der okkupierte Alltag. Leben im besetzten Norwegen und Dänemark 1940-1945

Im Wintersemester 2014/15 fand am Nordeuropa-Institut der Humboldt-Universität zu Berlin ein studentisches Tutorium unter dem Titel Der okkupierte Alltag. Leben im besetzten Norwegen und Dänemark 1940-1945 statt. Die Organisation und die Leitung wurden von den Masterstudierenden Markus Fischer und Matthias Parschauer übernommen. Das Tutorium wurde hauptsächlich von engagierten Bachelorstudierenden des Studiengangs Skandinavistik/ Nordeuropa-Studien besucht.Ziel des Kurses war es, das Alltagsleben in den vom Deutschen Reich besetzten Ländern Norwegen und Dänemark mit Hilfe von zeitgenössischen Quellen aufzuspüren.

Zu Beginn des Kurses erarbeiteten sich die Kursteilnehmenden einen inhaltlichen Überblick über den Verlauf des Zweiten Weltkrieges in den okkupierten Ländern. Anschließend wurden Quellen wie Tagebücher, Fotos, Propagandafilme, Radiosendungen und weitere schriftliche Dokumente quellenkritisch aufgearbeitet und diskutiert. Die Vorgehensweise war stets vergleichend, um Unterschiede und Gemeinsamkeiten in beiden Ländern und denen zugrunde liegenden Ursachen herauszuarbeiten.

Dass eine große Anzahl von Quellen zu Rate gezogen werden konnte, ist nicht zuletzt durch das Internet möglich gewesen. Derzeit werden insbesondere im nordeuropäischen Raum historische Quellen digitalisiert und für Forschende zugänglich gemacht. Im Laufe des Semesters wurden von den Studierenden die digitalisierten Quellen sowie ein Überblick über die Forschungsliteratur zu der Epoche in einer Datenbank gesammelt, die den Beteiligten auch über den Kurs hinaus zur Verfügung steht.

Die teilnehmenden Studierenden haben im Rahmen des Tutoriums eine selbst gewählte Quelle kritisch in einem Referat vorgestellt. Am Ende des Kurses wurde ihnen die Möglichkeit angeboten, ihr Thema in einem Artikel auf dem Eisbrecher Blog vorzustellen. In den nächsten Wochen werden daher Einträge auf dieser Seite veröffentlicht werden, die im direkten Zusammenhang mit dem Tutorium entstanden sind.

Matthias Parschauer & Markus Fischer, April 2015

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Die geheime Zusammenarbeit der finnischen Staatspolizei Valpo und der deutschen Gestapo im Zweiten Weltkrieg

Im Winterkrieg (1939-1940) gegen die übermächtige Sowjetunion war es Finnland gelungen, seine Selbstständigkeit zu verteidigen. Als der Fortsetzungskrieg 1941 ausbrach, waren die Finnen tief verbittert und wollten den sowjetischen Angriff mit allen möglichen Mitteln abwehren. Den meisten ist bekannt, dass Finnland im Zweiten Weltkrieg an der Seite des nationalsozialistischen Deutschlands kämpfte. Der Umfang dieser finnisch-deutschen Zusammenarbeit war dagegen bis zur Veröffentlichung der Dissertation Oula Silvennoinens, „Geheime Waffenbrüderschaft“ (2010, finnische Originalausgabe 2008), fast völlig unbekannt.
Vorher in der Forschung vertretende Positionen über die vermeintlich saubere Kriegsführung Deutschlands und Finnlands in Nordfinnland und Nordnorwegen wurden in der Dissertation Silvennoinens in Frage gestellt. Darüber hinaus präsentierte Silvennoinen neue Erkenntnisse über die geheime Zusammenarbeit der finnischen Staatspolizei und der deutschen Gestapo.

Die bedeutsamste neue Entdeckung von Silvennoinen war die Existenz eines geheimen Sondereinsatzkommandos, des „Einsatzkommando der Sicherheitspolizei und des SD beim Armeeoberkommando Norwegen (Befehlsstelle Finnland)“. Dieses deutsche Kommando stand im Juli 1941 unter Leitung vom SS-Sturmbannführer Gustav vom Felde und existierte bis Ende 1942 an der Lappland-Front im nicht besetzen Finnland. Zu den Aufgaben dieses Kommandos gehörte die Tötung von Juden, Kommissaren, Kommunisten und Partisanen in zwei deutschen Kriegsgefangenenlagern, Stalag 309 in Salla (Finnland) und Stalag 322 in Elvenes (Nordnorwegen). In diesen Lagern war die finnische Staatspolizei Valpo durch die Stellung von Dolmetschern und Vernehmern an den Verbrechen beteiligt.

Die Idee für seine Dissertation bekam Silvennoinen als er als Mitarbeiter im Untersuchungsausschuss tätig war, der als Reaktion auf Elina Sanas Forschungen über die Auslieferung von Kriegsgefangenen an Deutschland 2003 eingerichtet worden war. Seine Dissertation war darüber hinaus Teil eines Forschungsvorhaben des finnischen Nationalarchives mit dem Titel „Finnland 1939-1955. Kriegsgefangenschaft und Menschenübergabe“ (http://kronos.narc.fi/index_de.html). Seine Forschungen erregten viel Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit, da diese ein weiterer Beitrag zur Kritik an der These der eigenständigen Kriegsführung Finnlands gegen die Sowjetunion waren.

Weiterführende Literatur:

Silvennoinen, Oula: Geheime Waffenbrüderschaft. Die sicherheitspolizeilische Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Finnland 1933-1944. Darmstadt 2010. [Finnische Originalausgabe: Salaiset aseveljet. Suomen ja Saksan turvallisuuspoliisiyhteistyö 1933-1944. 2008.]

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Kystfort.com – “Norwegens größtes Internetforum im Bereich der Okkupation und Militärgeschichte Deutschlands zwischen 1940 und 1945”

Screenshot der Startseite von Kystfort.com

Screenshot der Startseite von Kystfort.com

Das norwegische Informations- und Blogprojekt Kystfort.com wurde im Jahr 2005 erstmals erstellt und ist ausschließlich in norwegischer Sprache verfügbar. Dabei handelt es sich um eine Mischung aus WordPress-Blog, Informationssammlung und Internetforum. Betreiber des Projekts ist der norwegische Grafikdesigner Erik Hårberg, wobei projekteigene Beiträge auch von diversen anderen Autoren stammen. Das Ziel der Internetseite ist offenbar eine Darstellung und Vermittlung von Informationen rund um die deutsche Militärgeschichte in Norwegen der Jahre 1940 bis 1945, vorzugsweise deutsche Festungs- und Bunkeranlagen (“Atlantikwall”) betreffend. Gestützt wird Kystfort von einem Webshop namens Krigsbunkeren.no, der Texte, Bücher und Bilder, die im thematischen Bereich des Krieges in Norwegen angesiedelt sind, anbietet und ebenfalls von Hårberg betrieben wird.

Wie bereits erwähnt, handelt es sich bei Kystfort prinzipiell um einen WordPress-Blog, also ein System, durch welches einem Autor ermöglicht wird, ohne großartige Programmierungs- und Designkenntnisse mehr oder weniger regelmäßige Beiträge zu veröffentlichen, diese mit diversen Online-Medien, wie hypertextliche Querverweise oder Youtube-Videos, zu verbinden und anschließend mit Hilfe einer Kommentarfunktion zur Diskussion zu stellen. Doch der eigentliche, zentrale Inhalt der Seite besteht eher weniger aus dem Blog, da quantitativ kaum nennenswerte Beiträge veröffentlicht wurden (11 Beiträge im gesamten Jahr 2013). Der Großteil dieser Beiträge besteht aus kurzen Zusammenfassungen von Zeitungsartikeln, in denen das projektspezifische Thema behandelt wurde, bspw. als 2013 ein ehemaliger deutscher Bunkerkomplex in der Nähe von Stavanger im Zuge eines Wohnungsbauprojekts entdeckte. NRK berichtete über diesen Fund und thematisierte die Frage, was mit solchen Erinnerungsträgern geschehen soll (http://www.kystfort.com/?p=192).

Der Großteil des Inhalts von Kystfort besteht aus dem Forum, das man über den ersten Link in der horizontal verlaufenden Navigationsleiste erreichen kann. Neben der Vielfältigkeit der Kategorisierungen von Thematiken innerhalb des Forums, ist die Statistik von über 64.000 Beiträgen bei rund 3.800 registrierten Mitgliedern (Stand: 03.03.2014) enorm. Kystfort selber bezeichnet das Forum als Norwegens größtes Internetforum, das im Bereich der Okkupation und Militärgeschichte Deutschlands zwischen 1940 und 1945 angesiedelt ist. Es werden klare Benutzungsrichtlinien vermittelt, die politische Aussagen aus jedweder Richtung nicht dulden und ebenfalls dazu dienen, klarzustellen, dass das Kystfort-Forum ein unpolitischer Diskussionsort für historisch Interessierte ist.

Über den zweiten Menüpunkt der Navigation gelangt man zum allgemeinen Abschnitt der deutschen Bunkeranlagen in Norwegen, wobei sich hier ein Untermenü zur Spezifizierung in die verschiedenen Küstenregionen öffnet. Interessant ist hierbei, dass keiner dieser Inhalte – man nimmt beim ersten Blick an, es handle sich hier um die inhaltlich größte Subpage von Kystfort – explizit zu Kystfort gehört bzw. überhaupt Inhalt bietet, denn jeder der Links zu den verschiedenen Regionen beinhaltet eben keinen selbst verfassten Artikel mit Informationen o.Ä., sondern lediglich eine Verlinkung zum jeweiligen Bereich des Forums, was in keinster Weise erkennbar ist.

Der nächste Punkt in der Navigation lautet “Kystfort Informasjon” und beinhaltet eine Weiterleitung auf eine Seite innerhalb des WordPress-Blogs, auf der sämtliche Meldungen bzgl. des Projekts selber dargestellt werden, also im Grunde eine Zusammenfassung der Blogbeiträge, die das eigene Projekt betreffen, wie bspw. Änderungen an der Homepage. Dieser Kategorie kann man entnehmen, dass die Umstellung auf WordPress erst 2013 erfolgte und der Inhalt zuvor noch über ein anderes, nicht genanntes System dargestellt wurde.

Der darauf folgende Navigationspunkt ist der bereits erwähnte Webshop, der dem Projekt als (finanzielle Stütze) dienen soll. Hier wird man auf eine an sich fremde URL verlinkt (www.krigsbunkeren.no). “Nyheter fra land og strand” [dt. Neuigkeiten von Land und Strand] bildet den vorletzten Abschnitt der Navigation. Hier sind sämtliche Blogbeiträge zu finden, die sich nicht um das Projekt selber drehen, sondern konkreten thematischen Inhalt besitzen. Wie bereits erwähnt, handelt es sich hier zumeist um bereits veröffentlichte Artikel oder Beiträge, die kurz zusammengefasst und verlinkt werden.

Die letzte Kategorie “Kystfortblogg” beinhaltet lediglich einen Beitrag, der im Grunde nur aus einem einzigen Link zu einem PDF-Dokument besteht, welches sich “Andørja 1940-1945” nennt. Darin enthalten sind schriftlich festgehaltene Interviews von Zeitzeugen, die in diverse Kategorien unterteilt worden sind und von Evakuierung bis Widerstandsarbeit reichen.

Darüber hinaus bietet Kystfort weitere, für Blogs übliche Inhalte, wie eine Suchfunktion, ein Direktzugriff auf das Beitrags- und Kategoriearchiv sowie eine Kurzübersicht der letzten fünf Beiträge des Blogs. Ferner befindet sich auf der Startseite ein Kalender, der allerdings komplett ohne (aktuellen) Inhalt ist und dazu dienen soll, an bestimmte historische Ereignisse oder sonstige Aktivitäten, wie Ausstellungen o.Ä. in Kalenderform zu erinnern. Hinzu kommt, dass man direkt zu Beginn mit privaten Fotografien von bestimmten Bunkeranlagen konfrontiert wird.

Was die visuelle Umsetzung betrifft, wirkt das Projekt recht unfertig und erweckt den Anschein, als wäre es noch in der Entwicklungsphase. So befinden sich auf der Startseite am oberen und unteren Rand jeweils ein schwarz hinterlegter Bereich, der Webdesign-Vorlagentexte beinhaltet (Bsp.: “You can change this text using theme Settings > Footer”). Der gesamte Hintergrund der Webseite besteht aus einer offenbar von Hårberg selbst angefertigten Karte Norwegens, auf der sämtliche Bunkeranlagen und Stellungen eingezeichnet sind, und welche nebenbei auch im Webshop zum Verkauf steht und darüber hinaus auch Hintergrund des Webshops ist und das Logo dessen beinhaltet. So steht man also vom ersten Moment mit Werbung des Shops in Kontakt. Der Blog an sich ist in hellen Farben, vorwiegend weiß, hellgrau und blau gehalten, wobei die verschiedenen Bereichsüberschriften schwarz hinterlegt sind, wodurch diese sich ganz klar vom Rest abheben, was im Allgemeinen eine recht hohe Übersichtlichkeit sowie Neutralität hinsichtlich der Farbgebung zur Folge hat.

Das Logo der Projektseite Kystfort steht gut sichtbar direkt über der Navigationsleiste und besteht aus einer stilisierten Abbildung des von Stacheldraht umgebenen 28cm Geschützes der Festung Fjell. Da der Stacheldraht beinahe schon provokativ um das Geschütz verläuft, könnte man darin die Forderung zur Bewahrung von Küstenstellungen in Norwegen als Erinnerungsort des Krieges (norw. “krigsminne”) deuten. Mit Blick auf das Forum, den inhaltlich vermeintlich größten Teil der Seite, sticht einem die Bannerwerbung im Header ins Auge. Zum Einen wird auch hier mittels Banner für den Webshop geworben, aber zum Anderen existiert auch ein Banner, der für einen fremden Webshop für Outdoorbekleidung und Ausrüstung mit dem Slogan “Utstyret til Bunkerturen finner du hos oss!” [dt. “Ausrüstung für Bunkertouren findest du bei uns!”] wirbt (www.utstyrskontroll.no).

Das Projekt kann teilweise als problematisch eingeschätzt werden, denn der erste Eindruck der Seite ist durchzogen von obskur und beinahe schon verherrlichend wirkenden Abbildungen. Man wird förmlich überrannt von Fotos deutscher Küstengeschütze, was, speziell in Verbindung mit der scheinbaren Lückenhaftigkeit der visuellen und teilweise auch inhaltlichen Bearbeitung, das Projekt in eine gewisse Unseriosität drängen könnte. Auch die Aufdringlichkeit der Werbung durch das gewählte Hintergrundbild des Blogs trägt ihren Teil dazu bei. Dabei ist die Intention von Kystfort, nämlich das Bewahren von Bunkeranlagen der Deutschen im besetzten Norwegen als Erinnerungsorte des Krieges, eine durchaus sinnvolle und meines Erachtens nach auch lobenswerte. Dabei scheinen die Betreiber auf reges Interesse zu stoßen, wie es die Statistiken des Forums offenlegen. Laut eigener Aussage sind die Mitglieder über das ganze Land verstreut und haben Spaß daran, Touren durchzuführen und Überreste oder bestehende Bunkeranlagen zu entdecken oder zu fotografieren und Besonderheiten zu diskutieren. Sogar gemeinsame “Community-Treffen” zu gemeinsamen Touren werden geplant und auf Bildern festgehalten. Auf der anderen Seite erscheint es als problematisch, dass Autoren oder Betreiber kaum klar erkennbar sind. Informationen über Hårberg findet man erst über die Verlinkung zum Webshop und von dort zu seiner persönlichen Homepage.

Abschließend lässt sich sagen, dass Kystfort ein interessantes Projekt ist, das einen positiven Grundgedanken beherbergt, den offensichtlich sehr viele User teilen. Die teils misslungene Umsetzung, die an einigen Stellen recht lückenhaft und unfertig wirkt, verhält sich hier wie eine Hürde. Offenbar hatte man 2013 vor, Kystfort auf WordPress umzustellen, doch es wirkt, als wäre dieses Vorhaben angefangen und nie beendet worden, was sehr schade ist, da besonders das Forum ein wertvoller Ort zu sein scheint, der ziemlich ungeschickt in die Seite eingebunden ist, sodass die Unübersichtlichkeit vorherrscht.

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NORDIKI – Das Netzportal mit Archivmaterial aus dem besetzten Norwegen

Screenshot der Hauptseite des Digitalarchivs NORDIKI

Screenshot der Hauptseite des Digitalarchivs NORDIKI

Der ausschließlich norwegische Internetauftritt Nordiki.no wurde am 14. April 2005 erstellt und ist ein rein institutionell gestütztes Projekt. Die Projektgruppe, die Nordiki betreibt, besteht ausschließlich aus Universitäts-, Hochschul-, Archiv- und Museumsmitarbeitern aus Bergen. Projektleiter und Ansprechpartner ist Prof. em. Stein Ugelvik Larsen vom Institut für Informations- und Medienwissenschaft der Universität Bergen. Im Grunde handelt es sich bei Nordiki um ein volldigitalisiertes Quellenarchiv, das alle Seiten des Zweiten Weltkrieges und der Okkupation Norwegens zwischen 1940 und 1945 durch Foto, Film, Audio und verschiedene Presseerzeugnisse der Zeit zu dokumentieren versucht. Dadurch möchte man einen größtenteils vollständigen Einblick in die Okkupationszeit Norwegens liefern, vor allem, um der Forschung neuartige Möglichkeiten der Analyse und Historiographie dieser Zeit zur Verfügung zu stellen. Dabei wendet sich Nordiki vor Allem an die Öffentlichkeit und Privatmenschen und bittet um Mithilfe bei der Vervollständigung des Archivs durch Einsenden und anschließender Qualitätskontrolle von Material sowie dazugehöriger Verlinkung zu bisherigen Webprojekten, die ebenfalls in dem Themenfeld angesiedelt sind.

Die Startseite von Nordiki besteht aus einer Art Willkommensseite, auf der einige historische Bilder sowie ein Willkommensgruß in drei Sprachen – Norwegisch, Englisch sowie Deutsch – vorhanden sind. Gelangt man nun automatisch zur Hauptseite, erkennt man die klare und übersichtliche Struktur des Webprojekts: Mittig auf der Seite befindet sich der Inhalt. Linksbündig befindet sich die thematische und chronologische Navigation durch das Webarchiv, beginnend mit Krigsforspill [dt. etwa “Vorkriegszeit”], Okkupasjonen [dt. “die Besatzung”] sowie abschließend Frigjøringen [dt. “die Befreiung”]. Jeder dieser Zeitabschnitte ist in der Navigation erneut in verschiedene Punkte unterteilt. In der Vorkriegszeit befinden sich Punkte über wichtige Aktivitäten im Allgemeinen, Hitlers Norwegen-Besuch 1934 und die Invasion. Unter dem Punkt der Besatzung sind die Abschnitte über die deutsche Besatzungsmacht, die alliierten Streitkräfte, den Widerstand (“Heimatfront” & illegale Presse), deutsche, alliierte und norwegische Propaganda, norwegische Kollaboration sowie Alltagsleben zu finden. Die Befreiung unterteilt sich in “Mai 1945” als Thema sowie die Rechtsprozesse der Verräter [norw. “landssvikoppgjøret”]. Viele dieser Inhaltsseiten bestehen aus Bildern, einem kurzen Einführungstext sowie einer Auflistung von Primär- und Sekundärquellen zu dem Thema, wobei (noch) nicht zu jedem Themenfeld Primär- oder Sekundärquellen vorhanden sind.

Rechtsbündig befindet sich das zweite Navigationsmenü, über das man zu Foto-, Film-, Ton- und Dokumentsammlungen anderer Webprojekte gelangt. Ebenfalls sind dort verschiedene Online-Datenbanken verzeichnet. Bei den Sammlungen und Datenbanken handelt es sich sowohl um Privatprojekte, als auch um institutionelle Seiten. Über das rechtsbündige Navigationsmenü gelangt man außerdem zu einer Auflistung von Büchern, die in Zusammenarbeit mit einzelnen Mitarbeitern von Nordiki entstanden sind, und zu einer Art weiterführenden Linksammlung. Hier werden themenspezifische Internetausstellungen, weiterführende (zumeist private) Webprojekte, Literaturlisten, sonstige Artikel sowie bevorstehende Informationstage oder Seminare verschiedener Institutionen angegeben und verlinkt. Abschließend wird ein Beitragsarchiv angeboten.

Die Homepage ist sehr simpel gehalten. Man hat sich für ein übersichtliches, dreispaltiges Format entschieden, wobei die beiden Navigationsmenüs und der jeweilige Inhalt die Spalten bilden. Die Farbgebung ist schlicht und hell: ein weißer Hintergrund, hellgrau hinterlegte Felder und pinkfarbene Überschriften. Dadurch wirkt die Seite im Allgemeinen recht neutral und ist gut lesbar. Des Weiteren ist Nordiki frei von Werbung und sonstigen Einblendungen. Lediglich ein Google-custom Suchfeld zur Nordiki-internen Suche und ein “Folge uns auf Facebook” Button sind in den Navigationsspalten vorhanden. Durch einen Klick auf den Facebook-Button gelangt man auf das Projektprofil, von welchem aus ebenfalls Neuigkeiten und Beiträge veröffentlicht werden.

Da Nordiki eine institutionelle, universitätsgestützte Homepage ist, erwartet man gerade hier gut recherchierte Inhalte, Objektivität sowie eine gute Umsetzung. Nach wenigen Minuten wird einem klar, dass diese Punkte hier voll und ganz zutreffen. Es werden nicht nur alle Seiten der Okkupation beleuchtet, sondern auch dadurch, dass es sich bei Nordiki um ein reines Webarchiv handelt, objektiv vermittelt. Die Orientierung und Navigation ist stets nachvollziehbar und logisch und unterstreicht dadurch den Gesamteindruck. In einigen Quellenkategorien trifft man auf bereits behandelte Webprojekte, wie bspw. NUAV, digitalokkupasjon oder krigsminne, was den Blick auf diese Projekte wiederum in ein positives Licht rücken kann, da laut Nordiki-Disclaimer, eine Qualitätskontrolle vor einer Verlinkung durchgeführt wird. Das Projekt stellt einem eine breite und äußerst detaillierte digitalisierte Quellenlandschaft zur Verfügung und kann als eine Art “Zentrum” zur Quellenrecherche dienen, da, gerade durch die Verlinkungen auf weiterführende Projekte, der Informationsgehalt enorm ist. Allerdings muss man beachten, dass die themenspezifischen Primär- und Sekundärquellen nicht vollständig sind und es durchaus vorkommt, dass eine Quellenauflistung noch komplett inhaltsleer ist.

Abschließend lässt sich sagen, dass Nordiki ein gelungenes Projekt ist, das für jeden Interessierten oder Forscher im Bereich der Okkupationszeit als Anlaufstelle zur Quellensuche dienen kann und sollte, da sich kaum anderswo im Internet eine derartige Masse und Vielfältigkeit von digitalisierten Primär- und auch Sekundärquellen innerhalb dieser Thematik finden lässt. Die Umsetzung ist gelungen und aufgrund von fehlender Werbung oder Sponsoring-Einblendungen lassen sich keine Punkte finden, die die Seriosität der Homepage in Frage stellen könnten.

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Waffen-ss.no: Wissen oder Werbung?

Screenshot von waffen-ss.no

Screenshot von waffen-ss.no

“This is a non-political site and does NOT subscribe to any revisionist organizations and neo-nazi beliefs. The people behind this site, are completely clear of all the cruelty the German nazi regime caused! This site is for other historians, and mainly WWII Collectors.” 

heißt es in dem Disclaimer vor Betreten der Seite waffen-ss.no. Doch die Betreiber der Seite sucht man vergebens; ein Impressum gibt es nicht. Offensichtlich bekennt sich niemand zu den Inhalten auf waffen-ss.no. Thematisch widmet sich die Internetseite der Geschichte der Waffen-SS.

Beim Betrachten der Hauptseite fällt zunächst der Header auf. Dort befindet sich ein bunt gestalteter Werbebanner, der mit einem Military-Memorabilia-Shop namens 1944Shop.com verlinkt ist. An den Rändern der Hauptseite befindet sich das Menü. Der Mittelteil ist inhaltslos.

Insgesamt enthält das Menü auf der Hauptseite sechs thematisch-sortierte Unterpunkte. Der erste Menüpunkt HISTORY PAGES liefert eine kurze historische Darstellung über Kriegsverbrechen, die von der Waffen-SS während des Zweiten Weltkrieges begangen wurden. Der folgende Menüpunkt Norwegians volunteeres in Waffen-SS [sic!] dokumentiert die verschiedenen norwegischen Ausprägungen innerhalb der Waffen-SS. Dem Aufbau der Organisation widmet sich dritte Unterpunkt WAFFEN-SS. Der vierte Menüpunkt WAFFEN-SS DIVISIONS listet verschiedene SS-Divisionen auf und dokumentiert diese auf weiteren Unterseiten. Der fünfte Menüpunkt WWII “COLLECTORS“ PAGES beinhaltet drei Archive mit Verlinkungen zu anderen Stätten im Internet. Weitere Artikel zu diversen Themen, die mit der Waffen-SS in Verbindung stehen, werden im sechsten Unterpunkt ARTICLES geliefert.

Die Texte auf waffen-ss.no sind sehr ausführlich, informativ und enthalten zahlreiche Fakten und Daten, die aber, wie auf vielen Internetseiten leider üblich, nicht durch Quellen belegt werden. Zudem illustrieren auf den einzelnen Unterseiten zahlreiche Fotos, Propagandaplakate und eingescannte Dokumente aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges den textlichen Inhalt. Die meisten Bilder sind mit der URL der Seite versehen. Teilweise wurden bei der Beschriftung der Bilddokumente Frakturschriften benutzt, die im Gesamtkontext der Seite unangemessen erscheinen.

Der oben genannte Werbebanner und ein Disclaimer, der die Seite nochmals von jeglichem politischen Gedankengut distanziert,  werden als einzige feste Elemente auf jeder Unterseite angezeigt. Unter vielen Fotos von Ausrüstungsgegenständen und Medaillen, welche auf den Unterseiten gezeigt und beschrieben werden, befindet sich unter den Bildunterschriften der Zusatz „You can buy it here“ mit entsprechender Verlinkung zu 1944Shop.com. Unweigerlich stellt sich die Frage, ob die Texte eine erweiterte Produktbeschreibung mit historischen Zusatzinformationen zu den im Internetshop angebotenen Artikeln sind.

Die enge Verknüpfung von waffen-ss.no und 1944Shop.com untereinander sowie die Gestaltung und der Schreibstil beider Seiten lassen darauf schließen, dass der Betreiber ein und derselbe ist. Auf beiden Seiten befindet sich jedoch kein Impressum.

Abschließend lässt sich feststellen, dass waffen-ss.no eine sonderbare Seite ist, die mit einem kritischen Blick begutachtet werden sollte. Die Frage, wer diese Seite betreibt, bleibt offen. Auch der konzeptionelle Hintergrund der Homepage ist fragwürdig. Möchte sie Wissen vermitteln oder ist sie einfach nur eine Katalogseite, die nostalgische Gegenstände bewirbt und diese über den angebundenen Onlineshop indirekt zum Verkauf anbietet?

Der Disclaimer auf der Startseite wirkt grotesk, in Anbetracht der Tatsache, dass die Seite unmittelbar den Namen der Waffen-SS adaptiert und sich der Betreiber nicht zu erkennen gibt. Eine objektive Internetseite, die sich von den Taten der Waffen-SS distanziert, sollte anders auftreten.

Dennoch muss festgehalten werden, dass waffen-ss.no ein Thema der norwegischen Okkupationszeit behandelt, das in der Geschichtsschreibung bis jetzt wenig Beachtung gefunden hat und so, wenn auch ungewollt, auf einen Missstand in der norwegischen Historiografie hinweist.

-MF-

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Elevblogg – ein undurchsichtiges Schulprojekt?

Screenshot des ersten Eintrags

Screenshot des ersten Eintrags “Tyskerjenter urettferdig behandlet”

Den 2. Verdenskrig – Elevblogg med repportasjer fra 2. verdenskrig [Der 2. Weltkrieg – Schülerblog mit Berichten vom 2. Weltkrieg]* ist ein einfach gestalteter WordPress-Blog mit elf Beiträgen zum Zweiten Weltkrieg in Norwegen und Europa. Die Themen reichen vom Blitzkrieg, über die Judenverfolgung bis zum D-Day. Weiter beschäftigen sich gleich zwei Beiträge mit Krigsbarn und der Behandlung ihrer Mütter durch die norwegische Gesellschaft. Alle Einträge sind, wovon durch die Überschrift Elevblogg ausgegangen werden kann, von Schülern verfasst. Die Namen der jeweiligen Autoren sind vor oder nach den einzelnen Einträgen vermerkt. Leider findet sich jedoch kein einleitender Text, ein Hinweis auf ein Projekt oder gar ein Impressum, aus dem nähere Informationen zur Entstehung des Blogs gezogen werden könnten.

Tyskerjenter urettferdig behandlet? [‚Deutschenflittchen‘ ungerecht behandelt?]

fragt der erste Eintrag, der sich explizit mit Frauen, die ein Verhältnis zu deutschen Soldaten hatten, auseinandersetzt. Dabei wird besonders auf die Internierung der meist jungen Frauen eingegangen, die offiziell deren Schutz vor Anfeindungen aus der Gesellschaft dienen und weiter die Ausbreitung von Geschlechtskrankheiten verhindern sollte. Weiter wird der Entzug der norwegischen Staatsbürgerschaft und die Ausweisung nach Deutschland thematisiert. Die öffentliche Verfolgung der im Eintrag als Tyskerjenter bezeichneten Frauen wird schließlich mit den Grausamkeiten gegenüber den Juden verglichen und die Frage gestellt „Hadde vi ikke nettopp kjempet for frihet og rettferdighet for alle folkeslag?“ [Hatten wir nicht gerade erst gekämpft, für Freiheit und Gerechtigkeit für alle Menschen?]. Die Autorinnen kommen zu dem Schluss, dass sich die meisten Frauen wohl aus Liebe mit den deutschen Soldaten eingelassen hatten und ihre anschließende Behandlung durch die Behörden deutlich zu hinterfragen sei.

Der Eintrag wird durch verschiedene Bilder unterstützt: So sind zu Eingang des Textes mehrere Personen hinter einem hohen Zaun vor einem großen Gebäude stehend zu sehen. Die Bildunterschrift spricht von Tyskerjenter im Internierungslager, betrachtet man das Foto jedoch ein wenig genauer, scheinen die abgebildeten Personen eher männlich zu sein. Des Weiteren fehlen jedwede Quellenangaben des Fotos. Ähnliches zeigt sich beim zweiten Bild: Hier hängt eine Frau über einer Bank, auf ihrem nackten Rücken prangt ein Hakenkreuz. Die Bildunterschrift geht hier auf die Haarschur ein, mit der die Frauen gekennzeichnet wurden, aber auch hier finden sich erneut keine Quellenangaben, die Links der Fußnoten leiten bei diesen Fotos zu Google weiter.

Abschließend wird der Eintrag durch ein in den Text eingebettetes YouTube-Video ergänzt, welches laut Blogeintrag aus einer Nachrichtensendung von 1945 stammt. Das Video zeigt dabei die Einrichtung des Hauptlagers auf Hovedøya in Oslo. Ein weiterer Kommentar dazu findet sich nicht. Festgehalten werden sollte weiter, dass die Autorinnen auf eine sehr unklare Weise erwähnt werden: „Dette debattinnlegget er skrevet av Gudrun(Vilde) og Gjertrud(Marie L) 06. desember 1955“ [Dieser Diskussionsbreitrag wurde von Gudrun(Vilde) und Gjertrud(Maire L) am 06. Dezember 1955 geschrieben]. Der Text wirkt teils in einem tagesaktuellen Schreibstil verfasst, die Nachweise zu den Informationen, die mit Fußnoten angegeben sind, verweisen jedoch alle samt auf Onlinelexikoneinträge und Zeitungsartikel aus dem Jahr 2008. Inhalt und Form des Eintrags lassen zu dem Schluss kommen, dass ein Beitrag aus dem Jahre 1955 teils verwendet, dies aber nicht deutlich gekennzeichnet wurde und sich der Text so aus möglichen alten und neuen Teilen zusammensetzt. Das Bild, das sich in Bezug auf die Quellenkritik somit abzeichnet, wirkt jedoch nicht ungewöhnlich, wird bedacht, dass man es hier mit einem Schülerblog zu tun hat.

Tyskertøsene [‚Deutschenflittchen‘]

ist der zweite Eintrag, der zunächst erklärend auf die Begriffe tyskertøs und tyskerjenter eingeht. Es folgt eine Aufzählung der Vorwürfe, die gegen die Frauen erhoben wurden, die ein Verhältnis mit einem deutschen Soldaten hatten. Die Grausamkeiten aus der Bevölkerung gegenüber den Frauen und die Andeutung, die Internierung wäre nur vordergründig zum Schutz dieser geschehen, zeigt die kritische Haltung der Autorinnen, die im Weiteren auch die geschichtliche Aufarbeitung und Rehabilitierung der Frauen als vernachlässigt ansehen. Mit zwei Beispielen wird beschrieben, dass es auch während der fünfjährigen Besatzungszeit ein Alltagsleben gab, das Norweger und Deutsche besonders im Norden teilten. Somit sei es auch nicht verwunderlich, dass norwegische Frauen Verhältnisse mit den deutschen Soldaten eingingen. Beide Beispiele zeigen Frauen, die aus Liebe zu den Soldaten die Häme aus der Bevölkerung und das Internierungslager auf sich nahmen und durch ihre Heirat sogar die norwegische Staatsbürgerschaft aufgaben.

Mit einem thematischen Schwenk im Eintrag vollzieht sich auch ein perspektivischer Wechsel. Behandelt wird nun die Geschichte der krigsbarn, die zunächst als Opfer ihrer Mütter dargestellt werden. Die Mütter, so die Autorinnen, die ein Verhältnis zu den Besatzern eingingen, versuchten die Schande, die in Form ihrer Kinder deutlich sichtbar schien, durch das Schweigen über die Väter oder gar Adoption zu schmälern. Erst anschließend wird auf den Verein Lebensborn, dessen Programm und die Schikanen, unter denen die Kinder zu leiden hatten, fokussiert. Die Situation der krigsbarn wird ausführlich geschildert, auch die ungerechte Behandlung durch den Staat durch das Vorenthalten der Staatsbürgerschaft gegenüber Kindern, deren Mütter sich für eine Heirat mit einem Deutschen entschieden hatten, sowie daraus resultierende psychische Leiden werden angesprochen. Bis heute, resümieren die Autorinnen, litten die Kinder unter der damaligen Wahl der Mütter.

Zu einem Ende und erneuten Wechsel der Perspektive kommt es im Text durch ein Interview mit einem sog. krigsbarn. Der Interviewte beschreibt seine Eltern, gegensätzlich zur Darstellung im vorausgegangenen Absatzw, jedoch sehr liebevoll. Er gibt die Schuld für die Häme, die sie alle über sich ergehen lassen mussten, vor allem der norwegischen Bevölkerung.

Auch dieser Beitrag wird durch die Angabe von Verweisen unterstützt, wenn sich auch bei den Fotos ein ähnliches Bild wie im ersten Beitrag zeigt. Lediglich das letzte enthält zumindest die Angabe aus Privatbesitz zu stammen. Im Übrigen erklärt der Text die Fakten sachlich und ausführlich, sobald es jedoch zu Einzelschicksalen kommt, findet sich eine in schwarz und weiß unterteilte Haltung. Dies zeigt sich besonders im Wechsel des Fokus von den Müttern auf die Kinder. Hier lässt sich leider nicht erkennen, ob sich die Haltung der Autorinnen gegenüber dem Thema gleichermaßen mit der Sichtweise ändert, oder ob die Unterkapitel unter den vier Autorinnen aufgeteilt wurden und so ein anderer Blickwinkel zustande kommt. Da es, wie bereits erwähnt, auch keine Hinweise auf die Schüler gibt, wie z.B. ihr Alter, lässt sich nur schwer eine sichere Aussage darüber machen, ob der Eindruck der schwarz-weißen Sichtweise auf eben dieses zurückzuführen ist.

 Viele Verweise und trotzdem undurchsichtig

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die beiden Blogeinträge eine übersichtliche Einführung in die Thematik der krigsbarn und ihrer Mütter geben. Die Informationen werden in kompakten Texten wiedergegeben, ohne den Leser jedoch mit zu vielen Fakten zu überhäufen. Ein Mangel, der sich jedoch zeigt, ist die teils unsaubere Arbeit mit Verweisen, dies besonders im Hinblick auf die Verwendung von Fotos. Da weiter auch in den Texten Unstimmigkeiten, wie der oben genannte plötzliche Perspektivenwechsel auftreten und zudem Unklarheiten über die Autorinnen bestehen, wird die Glaubwürdigkeit der Einträge doch untergraben. Natürlich ist der Standard eines Schülerblogs in Fragen der Quellenkritik ein anderer, als der eines wissenschaftlichen Aufsatzes, wenn es den Autorinnen jedoch gelingt die vorhanden Verweise korrekt anzugeben, sollte es nicht zu viel verlangt sein auch die eigens verfassen Teile deutlich zu kennzeichnen. Abschließend stellt sich der Blog als interessantes Medium dar, um mit Schülern den Zweiten Weltkrieg zu diskutieren und aufzuarbeiten und so ein lang vergessenes bzw. verschwiegenes Thema zu erinnern. Allerdings ist noch einmal zu erwähnten, dass hier ganz klar zumindest ein Vermerk zum Hintergrund des Blogs fehlt.

*Die Übersetzungen im vorliegenden Text stammen von der Autorin und sind durch [ ] gekennzeichnet.

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Norges Krigsbarnforbund – Vereinsseiten als Beitrag zur Erinnerungskultur

Screenshot der Startseite des NKBF

Screenshot der Startseite des NKBF

nkbf.no ist die Homepage des Vereins für norwegische Krigsbarn [im Sinne des zuvor publizierten Beitrags zum Thema Krigsbarn zu verstehen]*. Bereits auf der Startseite wird die Zielgruppe des Vereins und folglich auch der hier untersuchten Internetseiten klar definiert. Die Interessenorganisation richtet sich gemäß des Einleitungstextes vor allem an Personen, die im Zeitraum 1940-1946 von norwegischen Müttern geboren wurden und deren Väter der deutschen Besatzungsmacht angehörten.

Weiterhin folgt der Hinweis auf die parteipolitische Neutralität und auf die Gründung des Vereins, am 18. Februar 1986 durch Per Arne Løhr Meek. Dieses Datum findet sich auch im Header direkt unter dem Namen des Vereins.

Die eigene Zielsetzung des Vereins wird anhand von Fragestellungen und Stichpunkten auf der Startseite deutlich gemacht. Zusammenfassend liegt der Fokus darauf, die Interessen der Krigsbarna zu wahren und wahrzunehmen, Aufklärungsarbeit zu leisten, sowie Rat und Unterstützung bei der Suche nach der Herkunft zu bieten. In einem kurzen Seitentext, der auf den ersten drei Hauptseiten der Homepage ein festes Bestandteil des Layouts ist, lassen sich diese Zielsetzungen wiederfinden in der sogenannten Vision des Vereins ‘die 40 Jahre lang verschwiegene Geschichte der Krigsbarna ins Licht der Öffentlichkeit zu bringen’.

Die Internetpräsenz des Vereins ist nur in norwegischer Sprache verfügbar. Eine Online-Registrierung als Mitglied ist nicht möglich, jedoch finden sich in der Navigationsleiste unter dem Reiter Om Forbundet [über den Verein] Kontaktdaten zum Sitz des Vereins in Nesoddtangen, sowie zur Leitung des Vereins und zu regional zuständigen Personen. Die Hauptleitung hat im Moment Gerd-Inger Resch inne, die selbst als Krigsbarn aufwuchs, wie in einem Artikel der norwegischen Zeitung Aftenposten nachzulesen ist. Für Mitglieder des Vereins stellt die Seite ein Mitgliedsblatt ‘Røtter’ [Wurzeln] zur Verfügung, das jedoch nicht öffentlich zugänglich ist. Hier zeigt sich die Orientierung an der bereits erwähnten relativ klar definierten Zielgruppe.

Inhaltlich bieten die Seiten des NKBF tiefergehende Einblicke in die Vereinsgeschichte, sowie in die Satzung des Vereins und die Hauptanliegen der Vereinsarbeit. Entsprechend findet sich in der Navigationsleiste ein Bereich mit der Überschrift Finn din Far! [Finde deinen Vater!]. Hier werden notwendige Informationen zur Suche nach dem deutschen Vater bereitgestellt. Unter anderem erfolgt Aufklärung über die rechtliche Lage bezüglich der Einsicht in Archivmaterial, sowie ein Fragebogen, der an deutsche Kontaktpersonen gesendet werden kann, die bei der Recherche weiterhelfen.

Außerdem liefert die Homepage unter dem Stichwort Dokumentasjon [Dokumentation] eine Übersicht zur rechtlichen Aufarbeitung der Krigsbarn-Thematik, sowie zur Stellungnahme von staatlicher Seite. Laut nkbf.no begann die offizielle öffentliche Auseinandersetzung mit der Geschichte der Krigsbarn-Thematik im April 1998, mit einem von Bjørn Hernæs gestellten Antrag an das norwegische Parlament, mit der Aufforderung zur Untersuchung der Situation der Krigsbarn. Vertiefende Informationen zur rechtlichen Aufarbeitung liefert zusätzlich eine umfangreiche Linksammlung, die ebenfalls in der Navigationsleiste unter dem Bereich Dokumentasjon zu finden ist.

Einen allgemeinen Einblick in die Geschichte der Krigsbarn liefert die Subpage mit dem Titel Litteratur [Literatur]. Hier findet sich eine Literaturliste mit einer Auswahl an Publikationen sowohl wissenschaftlicher wie auch belletristischer Art. Außerdem wird ein Aufsatz von Kåre Olsen zur Verfügung gestellt, der sich mit der Rolle von Archiven bei der Aufarbeitung der Sache der Krigsbarn befasst.

Nahezu vollkommen verzichtet wird auf die Darstellung von Einzelschicksalen oder die nähere Beschreibung alltäglicher Lebensumstände mit denen Krigsbarna konfrontiert werden konnten und auch immer noch konfrontiert werden können. Dies wäre jedoch meines Erachtens dem Hauptinteresse der Vereinsseiten nicht zuträglich, sondern würde diese überladen wirken lassen. Außerdem bietet vor allem die erwähnte Literaturliste eine gute Ergänzung in dieser Hinsicht.

Die Gestaltung der Homepage des NKBF ist sehr übersichtlich und gradlinig, wodurch sie einen seriösen Eindruck macht. Zudem ist der Verzicht auf Werbung der Seriosität zuträglich. Die äußerliche Form dient dem Inhalt, insofern die benannte Zielsetzung der Seite ist, der Aufklärung zu dienen und Informationen bereit zu stellen. Dank einer sinnvollen Unterteilung in Teilbereiche der Seite, wirkt die Homepage übersichtlich und lässt sich leicht bedienen. Dies wird zusätzlich durch eine einheitliche Farbgestaltung in grau, blau und orange Tönen unterstützt. Auch auf Bebilderungen wird weitestgehend verzichtet, was der Schwerpunktsetzung auf sachliche, informative Inhalte entspricht und die Aufmerksamkeit auf den Text lenkt. Der Thematik entsprechend wurde für den Header eine norwegische Flagge gewählt, die in eine deutsche Flagge der heutigen Zeit übergeht. Die ineinandergreifenden Kanten der Flaggen sind jeweils zackenförmig ausgefranst. Auf den ersten Blick zeigt sich durch die Darstellung der beiden Flaggen deutlich die Verbindung zwischen deutscher und norwegischer Geschichte. Bei näherer Betrachtung könnten die Kanten jedoch als Hinweis auf die häufig sehr schmerzhaften und sozusagen ‘scharfkantigen’ Folgen/Spuren der Geschichte gedeutet werden. Die Wahl der Nachkriegsflagge Deutschlands und nicht der deutschen Flagge der Besatzungszeit, kann als Hinweis auf die Aktualität des Themas interpretiert werden. In Zusammenhang mit den langen Jahren des Schweigens und der stetig sinkenden Zahl von Zeitzeug_innen, entspräche dies der Notwendigkeit von Erinnerung und Aufarbeitung gerade auch in der heutigen Zeit. Gleichzeitig kann die Wahl der Flagge auch als Vermeidung von Hakenkreuzen zur Illustration der Website verstanden werden.

Wie bereits erwähnt, scheint die Internetpräsenz des NKBF eine relativ klare Zielgruppe zu haben, entsprechend der Hauptanliegen des Vereins. Darüber hinaus liefert die Homepage jedoch einen hilfreichen Eindruck über den Stand der öffentlichen und rechtlichen Thematisierung und Aufarbeitung der Geschichten der Krigsbarna. Dies lässt sie zu einer seriösen Quelle für erinnerungskulturelle Forschungsfragen werden, vor allem bezüglich des Beitrags zur geschichtlichen Aufarbeitung durch Vereinsarbeit.

*Die Übersetzungen im Text stammen von der Autorin und sind durch [ ] gekennzeichnet.

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„Bei uns gibt es keine Judenfrage“

„Bei uns gibt es keine Judenfrage“ (Rautkallio 2004, 215) sagte Johan W. Rangell (finnischer Premierminister 1941 – 1943) angeblich zu Heinrich Himmler. Damit sollte zum Ausdruck gebracht werden, dass Finnland „historisch praktisch unbelastet vom Antisemitismus“ (Zägel 2007, 185) war. Weder kam es zur Verabschiedung antisemitischer Gesetze, noch zu (offiziellen) Auslieferungen durch die Regierung. Das ist jedenfalls die Darstellung Hannu Rautkallios in seinem Werk zur finnischen Geschichte des Zweiten Weltkrieges. (Finland and the Holocaust: The rescue of Finland`s Jews.) Zwar beschäftigt Rautkallio sich mit Auslieferungen von insbesondere russischen und estnischen Flüchtlingen in das deutsch besetzte Estland, begründet diese allerdings mit der Verletzung des finnischen Asylrechts. Die im Vordergrund schwebende Botschaft ist: Finnland hat sich während des Zweiten Weltkrieges für den Schutz seiner Juden eingesetzt.

Kontrovers dazu forscht die finnische Sozialwissenschaftlerin Elina Sana, die nachweisen konnte, dass sowohl die offiziellen als auch die inoffiziellen Verbindungen zwischen Deutschland und Finnland sprich Gestapo und Valpo (finnische Staatspolizei) viel enger und verstrickter waren als bis dahin angenommen wurden ist. Unter anderem fand sie Dokumente, die bewiesen, dass etwa 3000 sowjetische Kriegsgefangene und mindestens 129 Zivilisten an die Gestapo und SD ausgeliefert worden sind, von denen die meisten in Konzentrationslagern starben. Darunter befanden sich circa 70 Juden. Sanas Veröffentlichung war zu Beginn sehr umstritten, brachte sie doch das finnische Selbstbild zum Wanken. Daher führte ihre Veröffentlichung auch zu einem Auftrag der Regierung, ihre Befunde zu untersuchen. Diese Aufgabe kam dem Historiker Heikki Ylikangas zu, der Sanas Ergebnisse nicht nur bestätigte sondern auch zu weiteren Forschungen anregte.

Weiterführende Literatur:

Zägel, Jörg; Reiner Steinweg: „Vergangenheitsdiskurse in der Ostseeregion. 1. Auseinandersetzungen in den nordischen Staaten über Krieg, Völkermord, Diktatur, Besatzung und Vertreibung“. Berlin 2007.

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Krigsbarn

“Mach dich weg nach Deutschland, du ‘Deutschenbalg’, rief der Großvater seinem Enkelkind hinterher. Er hat es nie geschafft sich damit zu versöhnen, dass seine Tochter ein Kind mit einem deutschen Soldaten bekam. Die Schande war einfach zu gewaltig. “

Deutschenbalg – Tyskerunge

Sätze wie den obigen mussten sich viele Kinder anhören, die von einer norwegischen Mutter und einem deutschen Soldaten als Vater gezeugt wurden. Deutlich wird hier die stark negative Konnotation der Bezeichnung Deutschenbalg – Tyskerunge. Bereits im Ansatz zeigt sich die Notwendigkeit zur Reflektion über die Verwendung von Begriffen. Weiter finden sich Bezeichnungen wie Tyskerbarn oder Lausunge, die in etwa dem bereits genannten Begriff Deutschenbalg entsprechen. Nicht nur die Kinder mussten unter ihrer Herkunft leiden: Ihre Mütter wurden mit stigmatisierenden Begriffen wie Tyskertøs oder Tyskerjente (in etwa ‘Deutschenflittchen’) bezeichnet und häufig als Verräterinnen aus der norwegischen Gesellschaft ausgeschlossen. Dies gipfelte unter anderem in der Zwangsinternierung der Frauen in der Nachkriegszeit.

In unseren folgenden Artikeln beschäftigen wir uns mit Erinnerungen und Darstellungen des Schicksals dieser Frauen und Kinder. Dabei bearbeiten wir ausschließlich im Internet vorhandenes Material, wobei wir verschiedene Schwerpunkte bei der Auswahl setzen. Gemeinsames Ziel unseres Vorgehens ist zunächst einen kritischen Überblick zu möglichen Quellen zu geben.

Um der Reproduktion der Stigmatisierung zu entgehen, verwenden wir im Folgenden den in der aktuellen Forschung angewandten Begriff Krigsbarn für die Kinder. Da synonyme Ausdrücke für die Mütter fehlen, müssen wir hier auf Umschreibungen zurückgreifen.

In der Auseinandersetzung mit den Quellen orientieren wir uns an den in der Einleitung genannten Leitfragen.

F.E./R.B./R.G./J.S.

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