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Die geheime Zusammenarbeit der finnischen Staatspolizei Valpo und der deutschen Gestapo im Zweiten Weltkrieg

Im Winterkrieg (1939-1940) gegen die übermächtige Sowjetunion war es Finnland gelungen, seine Selbstständigkeit zu verteidigen. Als der Fortsetzungskrieg 1941 ausbrach, waren die Finnen tief verbittert und wollten den sowjetischen Angriff mit allen möglichen Mitteln abwehren. Den meisten ist bekannt, dass Finnland im Zweiten Weltkrieg an der Seite des nationalsozialistischen Deutschlands kämpfte. Der Umfang dieser finnisch-deutschen Zusammenarbeit war dagegen bis zur Veröffentlichung der Dissertation Oula Silvennoinens, „Geheime Waffenbrüderschaft“ (2010, finnische Originalausgabe 2008), fast völlig unbekannt.
Vorher in der Forschung vertretende Positionen über die vermeintlich saubere Kriegsführung Deutschlands und Finnlands in Nordfinnland und Nordnorwegen wurden in der Dissertation Silvennoinens in Frage gestellt. Darüber hinaus präsentierte Silvennoinen neue Erkenntnisse über die geheime Zusammenarbeit der finnischen Staatspolizei und der deutschen Gestapo.

Die bedeutsamste neue Entdeckung von Silvennoinen war die Existenz eines geheimen Sondereinsatzkommandos, des „Einsatzkommando der Sicherheitspolizei und des SD beim Armeeoberkommando Norwegen (Befehlsstelle Finnland)“. Dieses deutsche Kommando stand im Juli 1941 unter Leitung vom SS-Sturmbannführer Gustav vom Felde und existierte bis Ende 1942 an der Lappland-Front im nicht besetzen Finnland. Zu den Aufgaben dieses Kommandos gehörte die Tötung von Juden, Kommissaren, Kommunisten und Partisanen in zwei deutschen Kriegsgefangenenlagern, Stalag 309 in Salla (Finnland) und Stalag 322 in Elvenes (Nordnorwegen). In diesen Lagern war die finnische Staatspolizei Valpo durch die Stellung von Dolmetschern und Vernehmern an den Verbrechen beteiligt.

Die Idee für seine Dissertation bekam Silvennoinen als er als Mitarbeiter im Untersuchungsausschuss tätig war, der als Reaktion auf Elina Sanas Forschungen über die Auslieferung von Kriegsgefangenen an Deutschland 2003 eingerichtet worden war. Seine Dissertation war darüber hinaus Teil eines Forschungsvorhaben des finnischen Nationalarchives mit dem Titel „Finnland 1939-1955. Kriegsgefangenschaft und Menschenübergabe“ (http://kronos.narc.fi/index_de.html). Seine Forschungen erregten viel Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit, da diese ein weiterer Beitrag zur Kritik an der These der eigenständigen Kriegsführung Finnlands gegen die Sowjetunion waren.

Weiterführende Literatur:

Silvennoinen, Oula: Geheime Waffenbrüderschaft. Die sicherheitspolizeilische Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Finnland 1933-1944. Darmstadt 2010. [Finnische Originalausgabe: Salaiset aseveljet. Suomen ja Saksan turvallisuuspoliisiyhteistyö 1933-1944. 2008.]

Kategorien: Erinnerungskultur 2.0, Finnland, Zweiter Weltkrieg | Schlagwörter: , , , | Hinterlasse einen Kommentar

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