Krigsminne – Erinnerungsort »Festung Bergen«

Screenshot von Krigsminne

Screenshot von Krigsminne

Im Jahr 2005, 60 Jahre nach der Befreiung des vom Deutschen Reich okkupierten Norwegen, startete das Mediencenter der Høgskole i Bergen in Zusammenarbeit mit dem Kulturnett Hordaland das digitale Projekt Krigsminne. Ziel der Internetseite ist das Bereitstellen von Informationen über Verteidungs- und Festungsanlagen in und um Bergen. Ferner werden die beschriebenen Anlagen in den Kontext des Zweiten Weltkrieges und den deutschen Plänen der so genannten »Festung Norwegen« und des »Atlantikwalls« eingebettet.

Leicht verständliche und gut recherchierte Texte bilden den Kern der Wissensvermittlung auf Krigsminne. Rund 70 Bilder, von denen, laut Kulturnett Hordaland, ca. die Hälfte zuvor unveröffentlicht waren, unterstützen die Aussagen der Texte. Zudem gibt es zahlreiche Animationen, die beispielsweise die Funktionsweise eines Kanonengeschosses illustrieren.

Das Seitenmenü ist in acht Unterpunkten aufgegliedert. Der erste Menüpunkt Bergen Befestningsverker gibt einen Überblick über die Geschichte der Festungsanlagen in und um Bergen, beginnend ab 1905. Des Weiteren werden hier mögliche strategische Schutzmaßnahmen beschrieben und diskutiert, die das norwegische Militär im Falle eines feindlichen Angriffes ergriffen hätte bzw. hat. Eine Schilderung aus Sven-Erik Grieg-Smiths Buch „Ingen fiendtlige hensikter“ (Agder 1989) über den deutschen Angriff auf Bergen am 9. April 1940 wird auszugsweise dargestellt.

Der zweite Menüpunkt Festung Bergen beschreibt den Ausbau und die Nutzung der Befestigungsanlagen durch die Wehrmacht in der Okkupationszeit. In diesem Menüpunkt gibt es eine Karte, welche die Stellungen der Geschütze markiert, sowie zwei Animationen. Die eine Animation illustriert, wie die Wehrmacht sich einen alliierten Angriff auf Bergen vorstellte. Die zweite Animation gibt einen Eindruck davon, wie sich ein Soldat bei einem Angriff auf einen Bunker gefühlt haben musste. Ferner gibt es hier zwei Querverweise auf Unterseiten der Homepage, die sich den Themen »Festung Norwegen« und »Atlantikwall« widmen.

Die nächsten Unterpunkte des Hauptmenüs drehen sich um die drei Festungsanlagen Kvarven, Fjell und Tellevik. Zu jeder dieser Anlagen werden geschichtliche Überblicke gegeben und Archivfotos gezeigt. Besonderheiten in diesen Menüpunkten sind ein Fotoalbum eines unbekannten deutschen Soldaten, der auf Tellevik stationiert war, ein interaktiver Rundgang über die Festung Kvarven sowie eine Animation über das Bunkersystem der Festung Fjell. Zudem wird eine Kanone im Betrieb animiert dargestellt.

Der sechste Menüpunkt Festung Norwegen beschäftigt sich mit dem durch die deutsche Besatzungsmacht in Auftrag gegebenen systematischen Ausbau der norwegischen Küste und kontextualisiert dieses Vorhaben mit dem »Atlantikwall«, der die militärische Verteidigung der westlichen Außengrenzen des Deutschen Reichs in der Zeit des Zweiten Weltkrieges gegen alliierte Kräfte garantieren sollte.

Der siebente Menüpunkt Arkivet bietet Downloads von Filmen, Fotos und Zeitungsartikeln rund um die Okkupationszeit in Norwegen an. Des Weiteren werden hier Querverweise zu anderen Internetseiten gegeben, die sich inhaltlich sowohl mit den gleichen Themen wie Krigsminne befassen als auch im Allgemeinen mit der Zeit 1940-1945 in Norwegen. Abschließend folgt eine Auflistung von Museen, die sich mit bestimmten Aspekten des Zweiten Weltkriegs beschäftigen.

Der achte und zugleich letzte Menüpunkt Kart beinhaltet selbst erstelltes Kartenmaterial zu den auf Krigsminne besprochenen Themen sowie eine Animation über einen, zum damaligen Zeitpunkt, möglichen Angriff der alliierten Streitkräfte auf Norwegen und einen Link zu der Homepage des Herdla Museums.

Gestalterisch gibt sich Krigsminne schlicht. Bis auf die Animationen und vereinzelte Bilder ist die Internetseite durchweg in Schwarz, Weiß und Grau gehalten. Die Animationen sind hilfreich, um bestimmte räumliche Gegebenheiten darzustellen. Dennoch wirken sie oft zu verspielt und durch das dort partiell falsch gesprochene bzw. geschriebene Deutsch unseriös. Die Schrift auf den Bildern ist teilweise in einer Frakturschriftart geschrieben, was sehr an die Schriftarten erinnert, die in der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland verwendet wurden.

Krigsminne stellt sich als ein sehr interessanter Internetauftritt dar, der durch den gezielten Einsatz verschiedener Medien einen Nutzen stiftenden Weg gefunden hat, Wissen zu vermitteln. Auch die thematische Spezialisierung auf Befestigungsanlagen in Bergen macht die Seite einzigartig. Hinzu kommt, dass man für das Verständnis der verwendeten Begriffe kaum Vorwissen benötigt, was die Seite auch für ‚Laien’ interessant macht.

Dennoch gibt es auch einige Defizite, welche die Seite in ihrem Gesamteindruck schmälern. Das Archiv stellt Material aus der Okkupationszeit Norwegens zur Verfügung und liefert somit prinzipiell gute Quellen. Jedoch sollten hier und auch zu den jeweiligen Bildern auf der Homepage bibliografische Angaben gemacht werden, um ein wissenschaftliches Arbeiten mit diesen Dokumenten zu ermöglichen. Einige Links funktionieren nicht mehr. Die Frakturschrift auf einigen Bildern lässt auf einen zu lockeren Umgang mit der behandelten Thematik schließen.

Insgesamt lässt sich feststellen, dass Krigsminne ein informatives Projekt der Aufarbeitung eines speziellen Aspektes der Okkupationszeit in Norwegen ist, das durch regelmäßige Updates und eine detailliertere Überarbeitung der Optik an Wert gewinnen würde.

-MF-

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Forening Krigshistorisk Landskap Finnmark – Die Finnmark als Erinnerungsort des Zweiten Weltkriegs

Screenshot vom FKLF-Blog

Screenshot vom FKLF-Blog

Die Internetseite des “Forening Krigshistorisk Landskap Finnmark”(krigshistorisklandskap.blogspot.de / FKLF) wurde auf der Plattform Blogspot im Oktober 2010 gestartet und entwickelte sich seitdem rasch zu einem vielbesuchten Blog mit mittlerweile mehr als 66.000 Aufrufen (Klick-Zähler ohne IP-Speicherung). Betrieben wird der Blog von zwei norwegischen, privaten Bloggern: Roger Albrigtsen sowie Bernt Isaksen, aktive Blogger seit 2008 bzw. 2009. Die Internetseite selbst ist in norwegischer Sprache, was interessant ist, da sie auf dem deutschen Blogspot-System erstellt wurde (blogspot.de).

Das selbst bestimmte Ziel des Vereins ist es, die Finnmark und deren Historie als Erinnerungsort des Zweiten Weltkriegs und der Okkupationszeit zu dokumentieren, zu bewahren und zu vermitteln. Dabei wird auf unterschiedliche Art von Unterstützung gesetzt. Zum Einen wird eine jährliche Mitgliedschaft angeboten und zum Anderen wird relativ deutlich per PayPal-Einbindung um Spenden gebeten. Generell schreiben die Verantwortlichen: “Our network of associates extends from Norway via Russia, Sweden, Germany and the United States – People with a genuine interest in helping us dig up relevant material relating to Finnmark in the period 1940-1945.” Darüber hinaus ist eine Vielzahl von Stützen durch diverse Verlage und Stiftungen vorhanden, die auf der Startseite durch Banner dargestellt ist. Dazu zählen der Verlag Kristiansen, die Fritt-Ord Stiftung, die Sparebankstiftelse DNB NOR, Finnmarkseiendommen/Finnmárkkuopmodat sowie die RiddoDuottarMuseat-Stiftung. Außerdem besteht eine Zusammenarbeit mit dem Røde Kors Kriegsmuseum in Narvik (narviksenteret.no).

Wie bereits erwähnt, handelt es sich beim FKLF um einen Blog, in dem also die einzelnen Beiträge, die in sehr unregelmäßigen Abständen erscheinen, das inhaltliche Zentrum bilden. Momentan (Stand: 04.02.2014) lässt sich der aktuellste Beitrag auf den 02.09.2013 zurückdatieren. Jeder Beitrag ist mit zahlreichen Bildern unterschiedlicher Art versehen. Dabei kann es sich um private Fotos der Blogger bspw. von in Wäldern entdeckten Überresten bestimmter militärischer Gerätschaften oder auch von Scans zu Wissenswertem über die Region Finnmark zur Zeit von 1940 bis 1945 handeln. Dadurch lassen sich die Arten der Blogbeiträge klassifizieren in a) eigene Entdeckungen, die auf Fotos festgehalten und mit kürzeren Informationstexten versehen wurden, und b) wissenswerte Informationen, denen der Anschaulichkeit halber Bilder aus der Zeit (bspw. einer Person, eines Dokuments oder eines Schiffs, die/das von zentraler Bedeutung für ein spezielles Thema ist) angehängt sind. Immer werden die Bilder informativ erläutert, was auf eine Auseinandersetzung mit der Thematik und eine intensivere Recherche deutet. Ferner werden in Beiträgen oft interessante und weiterführende Links zu Artikeln oder Arbeiten außerhalb von FKLF, die sich mit dem Beitragsthema befassen, angeboten.

Die Seite bietet die Blogspot-übliche Archivsuche, mithilfe derer man den gesamten Blog auf Schlagwörter durchsuchen kann und darüber hinaus eine Facebook-Anbindung in Form eines blauen Facebook-Buttons. Durch einen Klick auf diesen Button gelangt man zur (geschlossenen) Facebook-Gruppe des Projekts, die (Stand 04.02.2014) 82 Mitglieder zählt. Außerdem bietet FKLF die Möglichkeit, sich für einen Newsletter einzutragen.

Durch die Tatsache, dass das Projekt auf Blogspot gehosted wird, halten sich etwaige äußerliche Besonderheiten oder Finessen in Grenzen. Den Hintergrund bildet eine simple Textur, die aus grauen, diagonal verlaufenen Linien auf schwarzem Grund besteht. Die einzelnen Beiträge sind dunkelgrau hinterlegt, wodurch sich, besonders im Zusammenhang mit schwarz-weißen Fotos, eine recht düstere Atmosphäre auf dem Blog breit macht. Dies könnte man insofern deuten, dass die Verantwortlichen die Okkupation der Region Finnmark als düsteren Fleck der norwegischen Historie sehen und eine dementsprechende Farbgebung gewählt haben. Der Text in den Beiträgen lässt sich angenehm lesen, da eine ausreichend große Schriftgröße verwendet wird und die weiße Schriftfarbe einen idealen Kontrast zum dunkelgrauen Beitragshintergrund bildet.

Der erste Eindruck von dem Projektblog ist durchweg von Seriosität geprägt, da man sich hier vollends auf gut recherchierte Inhalte konzentriert. Auch nach weiterer Beschäftigung mit dem Blog wird diesem Eindruck nichts entgegengesetzt. Schade ist die fehlende IP-Speicherung des Klick-Zählers, da man ohne diese kaum ein reales Abbild der Präsenz des Projekts erfahren kann, da auch jedes Neuladen der Seite als Aufruf zählt.

FKLF erreicht all seine Ziele auf beeindruckend neutrale Art und Weise, die durch das Blogspot-System angetrieben wird, da man hier keine großartig weitreichenden Designmodifikationen vornehmen kann. Doch genau diese Simplizität ermöglicht den verantwortlichen Bloggern ein objektive und dennoch uneingeschränkte Speicherung und damit Formung von Erinnerungskultur: den Erhalt der Region Finnmark als kriegshistorischen Erinnerungsort.

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Norge Under Andre Verdenskrig (NUAV) – inhaltliche Tiefe schlecht verpackt

nuav.net Main Page

Screenshot der Hauptseite von NUAV

Der Internetauftritt nuav.net ging am 27.01.2000 online und wird von einer Gruppe von privat Interessierten und Hobby-Historikern betrieben. Die Internetseite ist sowohl auf Norwegisch als auch auf Englisch verfügbar, wobei auf der Startseite darauf hingewiesen wird, dass der Inhalt der englischsprachigen Version wesentlich aktueller und sorgfältiger verwaltet ist. Das selbst formulierte Ziel des Internetauftritts ist es, Informationen über Norwegen im Zweiten Weltkrieg zur Verfügung zu stellen. Unterstützt wird der Auftritt durch die Grieg Group, ein globaler Konzern mit mehr als 1900 Mitarbeitern, der in Bereichen wie Transport, Fischerei, Navigation, Investment und Offshore Windparks agiert.

Zunächst ist es von großer Bedeutung für eine Betrachtung, dass  NUAV “not represent any kind of political statement, it is made by people with the historical interest of Norway in the period between 1940 – 1945” (Disclaimer im Footer). Inhaltlicher Kern von NUAV bildet der Artikel-Bereich, in dem einerseits Artikel, Interviews und Biographien und andererseits Ergebnisse eigener Recherchen über in Norwegen stationierte deutsche und alliierte Militäreinheiten und Militärabzeichen vorhanden sind. Dies sind Ergebnisse privater Forschungen der letzten 30 Jahre, was eine bemerkenswerte Zahl ist. So sind bspw. Artikel vorhanden, die auf das Jahr 1988 zurückdatiert sind und denen durch diese Seite nun eine Plattform der Öffentlichkeit geboten werden kann. Auch eine Liste über von den Seitenbetreibern rezensierte Sachbücher mit entsprechenden Inhalten steht zur Verfügung und ist nach Sprache kategorisiert. Direkt von der Startseite gelangt man ferner auf ein eigenes Internetforum, in welchem derzeit (Stand vom 28.01.2014) 434 registrierte User und insgesamt 3208 Beiträge vermerkt sind und in welchem sich interessierte User über Norwegen im Zweiten Weltkrieg austauschen können, wobei auch die Seitenbetreiber teilweise präsent sind und sich zu Wort melden. Auch eine sehr ausführlich ausgearbeitete Zeitleiste, in der alle wichtigen und wesentlichen (militärischen und politischen) Ereignisse in Norwegen von 1939 bis 1945 dargestellt werden, sowie ein lexikonartiges, alphabetisch sortiertes Personenregister werden geboten.

Auf einer eigenen Subpage wird auf die vorhandenen Sponsoren mithilfe von Werbebannern hingewiesen. Auffallend ist, dass hauptsächlich Seiten von (Hobby-) Historikern oder Sammlern aus dem Militariabereich ein Sponsoring mit NUAV eingehen. Ebenfalls auf einer eigenen Subpage haben die Betreiber eine Linksammlung zur Verfügung gestellt, auf welcher Internetseiten und -foren zum Zweiten Weltkrieg, Fotosammlungen sowie Forschungsquellen, in dem Fall Datenbanken und Listen von Fotografien oder vermissten/gefallenen Soldaten, einsehbar sind.

Das Design der Website wurde recht speziell umgesetzt, indem die Start- und damit Hauptseite einer Titelseite aus einer Tageszeitung gleicht, wobei der Titel und Werbebanner oben, der neueste Inhalt sowie Verweise auf zentrale Bereiche der Seite, wie Forum etc. in Zeitungsartikelform darunter folgen. Der Footer besteht aus einer Sitemap sowie dem Disclaimer der Seite.

Insgesamt betrachtet ist die Umsetzung des Projekts in gewisser Weise problematisch, da NUAV sehr detaillierte und wissenswerte Informationen liefern kann, man allerdings von dem sehr veralteten Webdesign (das Design ist angepasst an eine Auflösung von 800x600px.), das zugleich noch mit recht aufdringlicher, so gut wie immer sichtbarer Werbung kombiniert ist, abgeschreckt werden könnte. Auch die Gestaltung in Zeitungsform erweist sich für eine Internetseite als schwierig, da es hierdurch deutlich an Übersichtlichkeit und Stringenz mangelt. Erst die einzelnen Subpages sind übersichtlich angeordnet, folgen jedoch keinerlei Uniformität in Sachen Struktur oder Farbgebung. Hinzu kommt, dass die Werbebanner und damit auch der Inhalt der darin verlinkten Seiten es sehr schwer machen, eine rein objektive Betrachtung durchzuführen, da Militaria-Webshops, Jagd- und Waffenzubehörshops im Kontext mit dem zumindest in Deutschland sehr sensiblen Thema des Zweiten Weltkriegs einem den objektiven Blick – frei von (ungewollten) Hintergedanken – sehr erschwert, da man hier eine gewisse Art von Unseriosität vermuten könnte. Kommt man allerdings von diesem ersten Eindruck ab, so lässt sich feststellen, dass NUAV recht spezielle und auch ganz allgemeine Felder der hauptsächlich deutschen Militärgeschichte in Norwegen von 1939 – 1945 behandelt. Daher besuchen diese Seite womöglich zumeist Geschichts- und Militärinteressierte sowie Hobby-Historiker, wie sie die Seitenbetreiber selber sind. Im Zuge dieser möglichen Erkenntnis erscheint die dargestellte Bannerwerbung daher als logisch und passend. Vereinzelt findet man im Inhalt der einzelnen Subpages Formulierungen, die aus objektiver Historiker-Sicht unangemessen wirken (“Look at the size of this little pea-shooter! Firing a 38 cm projectile at a range of 42 000 meters, this gun would probably make the allies think twice before they attack!” <<http://www.nuav.net/maa.html>>).

Abschließend lässt sich feststellen, dass NUAV einen bemerkenswert gut recherchierten Inhalt in wenigen bestimmten und stark fokussierten Feldern der militärischen Besatzung Norwegens aufweist. Es wird sich von jeglicher Form von politischen Aussagen oder politischem Kontext distanziert. Auffallend ist die Art und Fülle der Werbung und die Tatsache, dass die englische Version der Seite gegenüber der Norwegischen als aktueller deklariert wird. Die Benutzung der Website wird durch das veraltete Design allerdings stark beeinträchtigt, was aber nichts daran ändert, dass im Zuge von NUAV eine intensivere Aufarbeitung und vor allem Auseinandersetzung mit der Besatzungsmacht vonstatten geht.

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Digitalokkupasjon.no – ein bemerkenswertes Projekt mit Schwächen

Screenshot von digitalokkupasjon.no

Screenshot von digitalokkupasjon.no

Digitalokkupasjon.no ist eine norwegischsprachige Internetseite, die am 23. November 2001 vom Medienwissenschaftler Jostein Saakvitne von der Hochschule in Bergen gestartet wurde und vom Fond for lyd og bilde des norwegischen Kulturrådet unterstützt wird. Ziel der Seite ist das Sammeln, Bewahren und zur Verfügung stellen von Materialien aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges und der Besatzung Norwegens 1940-1945. Schwerpunktmäßig werden die Themen Konzentrationslager, Propaganda und psychologische Kriegsführung, Fluchtwege aus Norwegen sowie militärische Kollaboration aufgearbeitet.

Akustische und teilweise transkribierte Augenzeugenberichte bilden den methodologischen Kern der Wissensvermittlung in den Themenfeldern Konzentrationslager und Fluchtwege aus Norwegen. Insgesamt kommen vier unterschiedliche Zeitzeugen zu Wort: zwei ehemalige Widerstandskämpfer berichten von ihrer Zeit in norwegischen und deutschen Konzentrationslagern, ein ehemaliger norwegischer Soldat der Waffen-SS berichtet von seinem Schicksal in sowjetischer Gefangenschaft und ein weiterer Zeitzeuge erzählt von seiner Flucht aus Norwegen.

Dem Themenschwerpunkt Propaganda und psychologische Kriegsführung wird eine ausgelagerte Sonderseite gewidmet. Man erhält einen Überblick über das Thema im Allgemeinen und dessen Anwendung im Ersten und Zweiten Weltkrieg, in der Zwischenkriegszeit sowie in der Nachkriegsphase aus verschiedenen nationalen Perspektiven.

Verlinkungen zu anderen Internetseiten nehmen eine zentrale Rolle auf digitalokkupasjon.no ein. Zu jedem Themenschwerpunkt gibt es ein Link-Archiv zu weiterführenden Homepages. Der Aspekt der militärischen Kollaboration wird gänzlich auf nordiki.no, ein interdisziplinäres Projekt Bergenser Wissenschaftler über die Zeit des Zweiten Weltkrieges in Norwegen, ausgelagert.

Die Gestaltung der Homepage wirkt auf den ersten Blick verwirrend. Die Farbgebung ist durchgehend in Schwarz, Weiß und Rot gehalten. Im Header befindet sich ein lächelnder brauner Soldatenkopf. Die Überschrift der Startseite im Tab lautet „Im nacht und nebel“ [sic!]. Wir erinnern uns: der so genannte „Nacht-und-Nebel-Erlass“ war ein Befehl Hitlers vom 7. Dezember 1941, dem die Inhaftierung tausender Widerstandskämpfer in den damals besetzten Gebieten des Deutschen Reichs folgten. In Anbetracht dieses ersten Eindrucks kann der Verdacht entstehen, dass es sich bei digitalokkupasjon.no selbst um eine Propagandaseite handelt, welche die Okkupationszeit glorifiziert. Beginnt man jedoch mit der genaueren Lektüre der Seite bestätigt sich dieser Eindruck nicht. Auf der Startseite wird der Leitgedanke des Projektes erläutert. Ein Link, der durch das Klicken auf ein Bild anwählbar ist, führt direkt auf die Seite nordiki.no. Des Weiteren befindet sich der Name Jostein Saakvitne in blauen Lettern auf der Startseite. Klickt man auf dieses Textfeld, gelangt man auf ein Verlinkungsarchiv zu diversen anderen Internetprojekten Saakvitnes. Ein viergliedriges Seitenmenü lässt auf die Themenschwerpunkte der Seite schließen. Wird einer der Menüpunkte angewählt, erscheint eine neue Anzeigeseite mit neuen Menüpunkten. Viele Farb- und Schwarz-Weiß-Bilder, welche passend zur Thematik arrangiert wurden, illustrieren die textlichen Inhalte.

Digitalokkupasjon.no weist viele technische Defizite auf, welche die Nutzung erschweren. Einige Links und teilweise Menüpunkte funktionieren nicht bzw. nicht mehr. Seit Inbetriebnahme der Homepage wurde keine weitere Aktualisierung vorgenommen. Eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den Zeitzeugenberichten erscheint diffizil, da die Audiodateien von drei der vier Zeitzeugenberichte nicht abspielbar sind und die Transkriptionen teilweise mit „…“ oder dem Hinweis, dass Textausschnitte noch nachgereicht werden, abgekürzt wurden. Es werden weder Orts- noch Datumsangaben zu den Interviews gemacht. Ferner wird nicht angegeben, ob das Interview gekürzt wurde, wie die Fragen des Interviewers lauteten und unter welchen Bedingungen das Interview zu Stande kam.

Abschließend lässt sich feststellen, dass die Seite interessante Thematiken und Techniken aufgreift, um an den Zweiten Weltkrieg in Norwegen zu erinnern. Die Zeitzeugenberichte lassen die Geschichtsschreibung aus einer weiteren Perspektive begreifen. Der Bericht des ehemaligen Soldaten, der sich freiwillig auf die Seite der Deutschen stellte, bricht mit dem weit verbreiteten Widerstandsmythos, der sich lange in der norwegischen Historiografie über den Zweiten Weltkrieg hielt. Die oben genannten Defizite schmälern den Gesamteindruck der Internetseite jedoch und lassen sie in wissenschaftlicher Hinsicht unseriös wirken.

Digitalokkupasjon.no erscheint somit insgesamt als ein bemerkenswertes Projekt, das allerdings eine umfassende Aufarbeitung und Aktualisierung benötigt.

-MF-

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Die Okkupationszeit Norwegens im Internet

Quisling und Terboven

Vidkun Quisling und Josef Terboven vor einer Hirden-Abteilung.
(CC-by-Riksarkivet, Norway)

Was wird erinnert? Wie wird erinnert? Wer erinnert? Wo wird erinnert?

Diese zentralen Leitfragen werden uns bei der Auseinandersetzung mit aktueller Erinnerungskultur dirigieren. Wir spezialisieren uns auf norwegische Internetseiten als Erinnerungsort und werden in den kommenden Wochen verschiedene Homepages von sowohl privater als auch institutioneller Basis hinsichtlich ihrer Brauchbarkeit als geeignete Quelle zur Analyse von Erinnerungskultur im Internet untersuchen.

Da das Internet ein derart großer, ständig fließender und kaum fassbarer Raum ist, ist es wichtig, eine genaue Quellenanalyse zu betreiben. Unter Anderem werden wir dabei den Fokus auf die technischen Angaben der jeweiligen Seiten, den Aufbau und die Struktur, das Design und die Inhalte legen. Diese werden dann in Beziehung zueinander gesetzt und es werden Eindrücke und mögliche Absichten betrachtet. Werden bestimmte Geschehnisse erwähnt? Werden andere Ereignisse (bewusst) nicht erwähnt? Was für versteckte Aussagen liefern ein gewähltes Webdesign und bestimmte Inhalte?

Dies sind Fragen, die wir in den kommenden Wochen anhand einzelner Stichproben versuchen zu klären.

Wir vertreten die These, dass es problematisch ist, norwegische Internetseiten über den Zweiten Weltkrieg als Quelle und Erinnerungsort zu verwenden, da es ihnen zumeist aufgrund von ungewollter Verharmlosung an Seriosität mangelt. Inwieweit dies nur der erste Eindruck sein kann, wird sich durch unsere kommenden Beiträge klären.

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Finnland und Deutschland – eine gefährliche Freundschaft

Hitler beim Überraschungsbesuch zum 75. Geburtstag Mannerheims

Hitler beim Überraschungsbesuch zum 75. Geburtstag Mannerheims [Published in Suomen Kuvalehti 1942]

Wir beschäftigen uns mit der Geschichte Finnlands am Anfang des 20. Jahrhunderts. Wir untersuchen welche Aspekte der finnischen Geschichte des Zweiten Weltkrieges im Internet verschwiegen werden. Um unsere Forschungsarbeit in einen größeren Zusammenhang betten zu können, beginnen wir mit Finnlands Unabhängigkeit 1917. Um diese Unabhängigkeit zu bewahren, trat die finnische Regierung in Kontakt zu Deutschland. Daher untersuchen wir die Beziehungen zwischen Finnland und Deutschland und welche Umstände zu einer Zusammenarbeit zwischen diesen beiden Ländern – hauptsächlich während des Zweiten Weltkrieges – führten.

Unsere Grundlage bildet Literatur von Oula Silvennoinen und Elina Sana, die uns als Hintergrund für unsere Untersuchung von Internetseiten dient. Unter anderem befassen wir uns mit der Internetseite des Bundes finnischer Kultur und einer von HistorikerInnen geschaffenen Seite über finnische Kultur und Geschichte. Unser Fokus bei der Untersuchung der Internetseiten liegt auf den Aspekten der finnischen Geschichte des Zweiten Weltkrieges, die verschwiegen werden. Die Forschung zu diesem Thema begann erst Anfang des 21. Jahrhunderts, als sich die Forschungsgruppe um die finnische Journalistin Elina Sana des Quellmaterials aus dem Zweiten Weltkrieg erneut annahm. Diese Arbeit bekam aufgrund ihrer Brisanz große internationale Aufmerksamkeit und die Forschung zu diesem Thema wurde daraufhin vertieft.

Unsere Vermutung ist, dass durch die Aktualität dieses Themas vor allem das Internet eine geeignete Plattform sein müsste, um diese Forschungsergebnisse zeitnah abzubilden und darauffolgende Reaktionen einzufangen. In den folgenden Beiträgen werden wir nicht nur intensiver auf Oula Silvennoinen und Elina Sana eingehen, sondern auch einige Internetseiten vorstellen.

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Geschichte von allen für alle?

Erinnerungskulturen 2.0 – Nordeuropa und der Zweite Weltkrieg im Internet

Knapp 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges sind die Möglichkeiten zur Kommunikation vielfältiger und beschleunigter denn je. Die technologischen Entwicklungen der letzten Jahrzehnte machen eine Quellenarbeit auch mit den sogenannten Neuen Medien, also Blogs, Foren, Homepages usw. möglich. Im Hinblick auf Darstellungen und Interpretation von Erinnerungen im Internet ergeben sich neue Forschungsfragen, die sich in der traditionellen Geschichtsschreibung bisher so nicht gestellt haben. In diesem Projekt beschäftigen wir uns mit Formen und Interpretation von Erinnerung(en) in Bezug auf den Zweiten Weltkrieg in Nordeuropa. Gleichzeitig macht die Beschaffenheit unseres Materials ein Erweitern der Bewertung der Quellen, also der klassischen Quellenkritik der Geschichtswissenschaften, notwendig. Zentrale Leitfragen waren dabei:

–          Was und wie wird erinnert?

–          Wer erinnert/spricht? (Personen, Institutionen…? Perspektive(n)?)

–          Welche Eindrücke entstehen daraus und wie können diese bewertet werden?

Unter diesen Gesichtspunkten werden in den kommenden Wochen drei Gruppen zu unterschiedlichen Themen arbeiten und die Ergebnisse hier veröffentlichen.

So wird sich eine Gruppe damit beschäftigen, welche Aspekte der finnischen Geschichte im Zweiten Weltkrieg im Internet verschwiegen werden. Eine weitere arbeitet zu privaten und institutionellen Erinnerungskulturen in Norwegen und eine dritte mit Fokus auf Erinnerungen an die sog. krigsbarn und deren Angehörige.

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Die Zukunft der Musikbranche – Streaming-Dienste

Spotiy

Spotiy

Platten sind retro, CD’s schon wieder out und Musicdownload überholt. Napster, simfy, Spotify & Co., sogenannte Streaming-Dienste, sind nun das must have. Während Schweden bereits 82 Prozent der digitalen Umsätze mit Online-Streaming macht, steckt die Musikbranche in Deutschland diesbezüglich noch in den Kinderschuhen … Weiterlesen

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Google Art Project

The Starry Night (1889) von Vincent Van Gogh MoMa, The Museum of Modern Art

The Starry Night (1889)
von Vincent Van Gogh
MoMa, The Museum of Modern Art

Sie wollten schon immer einmal die Kunstsammlung des Museum of Modern Art  in New York besichtigen? Das Art Project der weltgrößten Suchmaschine google macht es möglich… ohne dazu selbst in der Stadt zu sein. Weiterlesen

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Pippi Langstrumpf goes digital

©Filimundus

©Filimundus

iPad, Androids und Apps haben nicht nur eine große Anziehungskraft auf Erwachsene und Jugendliche. Auch die Kleinsten unter uns begeistern sich immer mehr für Smartphones und Tablets. Kein Wunder, dass Apps für Kleinkinder einen regelrechten Boom erleben. Das schwedische Unternehmen Filimundus (Fili:Kind; mundus:Welt = eine Welt für Kinder) hat sich auf Apps für Kinder zwischen vier und acht Jahren spezialisiert. Wer jetzt allerdings an sinnlose Spielereien denkt, täuscht sich … Weiterlesen

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