Neue Zugänge zu Fremdsprachen dank Web 2.0

Sprachen lernen ist ohne Zweifel wichtig in der heutigen Zeit. Allein mit Englischkenntnissen  beeindrucken wir heute jedoch niemanden mehr. Die Beherrschung einer zweiten oder dritten Fremdsprache ist sowohl in beruflicher, als auch in universitärer Hinsicht in jeder Fachrichtung unabdingbar geworden. An der Universität ermöglichen sprachwissenschaftliche Fakultäten oder Einrichtungen wie das Sprachenzentrum der HU darüber hinaus gezielt das Erlernen unterschiedlichster Sprachen. So ist es auch am Nordeuropa-Institut: Schwedisch, Isländisch oder vielleicht auch Finnisch – Was darf es sein?

Doch wenn wir einmal innehalten und unseren eigenen Umgang mit dem Erwerb von anderen Sprachen im Laufe unserer Lebenszeit betrachten, so müssen wir zugeben, dass umfassende Veränderungen Einzug gehalten haben. Vorbei ist die Zeit, in der wir uns primär mit schwer zu handhabenden Wörterbüchern herumplagten und das Erlernen einer Sprache allein auf den Lehrenden und die Lerngruppe beschränkt war. Sprachen werden auch nicht mehr nur durch das fleißige Lernen von Vokabellisten und Grammatikregeln oder durch das Lesen von fremdsprachigen Büchern erworben. Natürlich bilden diese äußeren Faktoren noch immer den Kern des Spracherwerbs. Unsere Möglichkeiten, uns Sprachkenntnisse anzueignen oder diese zu verbessern, haben sich aber seit dem Internetzeitalter stetig erweitert und sind zentrale Instrumente des modernen Fremdsprachenerwerbs geworden.

1. Online-Wörterbücher: Natürlich kennen wir alle die dicken Pons- oder Langenscheidt-Wörterbücher, die nach wie vor in jedem Regal unverzichtbar sind, bieten sie uns doch besonders zuverlässige Informationen zu Vokabeln, Redewendungen und Grammatik. Häufiger verwenden wir jedoch Online-Wörterbücher, wie dict.cc. Denn mal ehrlich: Wer möchte die herkömmlichen dicken Lexika schon mit zur Uni schleppen und wie aufwändig und zeitraubend ist es, wenn man auf diese Art in einem Text 20 unbekannte Begriffe nachschlägt. Ohnehin produzieren wir nahezu jeden Text am PC. Was liegt also näher, als das Internet zur Hilfe zu nehmen? Ein paar Klicks und in kürzester Zeit kommt man zu einem brauchbaren Ergebnis oder erhält Vorschläge, die man weiterverfolgen kann. Manch ein moderner Ausdruck ist zudem in herkömmlichen Lexika gar nicht enthalten, da diese seltener aktualisiert werden. Und wer immer noch glaubt, dass die Papiervariante inhaltlich ergiebiger ist, irrt. Hat das klassische Langenscheidt-Wörterbuch Deutsch-Englisch 120.000 Begriffe verzeichnet, gibt dict.cc 900.000 Einträge an. Über die Qualität dieser Einträge mag man freilich streiten.

2. Kostenlose Onlineübersetzer: Sie erfreuen sich wachsender Beliebtheit, sind aber mit äußerster Vorsicht zu genießen, denn inhaltlich oder grammatisch korrekt sind die Ergebnisse selten. Doch das macht sie nicht sinnlos, denn die Eingabe mehrerer unbekannter Wörter, Satzfragmente oder Sätze führt viel schneller zu Übersetzungsvorschlägen, als wenn man jeden Begriff einzeln in ein Online-Lexikon eingeben müsste. Darüber hinaus gelingt auch einem Online-Übersetzungstool der eine oder andere gelungene Satz, der sich dann schnell und einfach verwenden lässt.  Ohne eigene Sprachkenntnisse ist das Tool zwar nicht zu empfehlen, aber mit entsprechenden Kenntnissen kann es einem vielfach Anregungen geben. Und haben Sie schon mal die Gegenprobe ausprobiert, also einen selbst verfassten, fremdsprachigen Text online in die Muttersprache zurückübersetzt z.B. via Google Übersetzer? Das ist eine clevere Sache, denn Wörter, die der Übersetzer nicht übersetzt – so falsch die Übersetzung im jeweiligen Zusammenhang auch sein mag – geben immer einen Hinweis darauf, dass man selbst irgendetwas falsch gemacht hat. Zuverlässig können so ungebräuchliche Wörter und vor allem simple Rechtschreibfehler ohne langes Lektorieren ausgemacht werden. Dabei setzt man sich gezielt mit den eigenen Fehlern auseinander und kann diese so zukünftig besser vermeiden.

3. Neue Kommunikationsplattformen: Egal ob Facebook, Twitter, Foren oder Blogs, sie alle sind weltweit verfügbar und verbinden Menschen auf der ganzen Welt. Für das Erlernen von Sprachen bedeutet das: Ohne auch nur einen einzigen Schritt vor die Tür zu machen, können wir Kontakte ins Ausland aufbauen und pflegen. Dabei können wir in unserer jeweiligen Fremdsprache schreiben oder sogar via Skype telefonieren. Das Hören von fremder Sprache ermöglichen uns aber auch You-Tube-Clips oder fremdsprachige Radiokanäle wie das Svensk Radio. Man kann sich also selbst virtuelle Räume schaffen, die den Sprachgebrauch zwingend und alltäglich machen. Die Gefahr sinkt, dass Sprachkenntnisse vergessen werden, wenn die Sprache nicht mehr durch das Lernen in einem Kurs begleitet wird. Und wenn man noch einen Schritt weiter geht, so kann man nahezu seine gesamten Internetaktivitäten in der Fremdsprache realisieren, das heißt zum Beispiel: schwedische Zeitungen lesen, das dänische Google benutzen oder sich zu seinem Lieblingshobby eine norwegische Plattform suchen.

4. Die fremdsprachige Google-Suchfunktion hat zudem noch einen anderen Vorteil. Übersetzt man ein Satzfragment, eine Redewendung oder ein unbekanntes Wort und ist sich unsicher, ob dieses wirklich von Muttersprachlern genutzt wird, lohnt es sich oft schon, diese Fragmente in Anführungszeichen in die Suchmaske der Fremdsprachenversion von Google einzugeben. Sehr wenige Treffer sind häufig ein Hinweis darauf, dass die eigene Übersetzung nicht gelungen ist, da sie von Muttersprachlern offenbar kaum verwendet wird. Stattdessen findet man mitunter alternative Ausdrücke, die Muttersprachler in ähnlichen Zusammenhängen verwenden. Oder man hat bereits mehrere Ausdrücke für einen Sachverhalt und fragt sich, welcher in der Fremdsprache am ehesten verwendet wird. Auch hier kann die Trefferquote gute Dienste leisten.

Bei all diesen Möglichkeiten sollte man in Zukunft kein schlechtes Gewissen haben, falls das dicke Lexikon im Regal Staub ansetzt.

Auf einen Blick:

Vorteile:

  • Sprache bleibt präsent durch Nutzung fremdsprachiger Webseiten, Kommunikationsplattformen
  • Online Übersetzer und Online-Wörterbücher erleichtern das Nachschlagen von Begriffen und Finden von Formulierungen unter der Voraussetzung, dass eigene Sprachkenntnisse vorhanden sind

Nachteile:

  • Informationen sind oft unsicher
  • Online Übersetzer übersetzen grammatisch und inhaltlich fehlerhaft

Einige weitere interessante Links zum Thema:

 (Diese Liste kann gern mit Kommentaren erweitert werden)

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Ein Gedanke zu „Neue Zugänge zu Fremdsprachen dank Web 2.0

  1. anndil

    Auf pons.eu findet sich neuerdings ein freizugängliches Online-Wörterbuch mit verschiedenen Sprachen, darunter Dänisch, Norwegisch und Schwedisch!

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