YouTube für die Uni?

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CC-BY-SA Holger.Ellgaard

Längst ist es nicht mehr aus dem Kanon der privaten Internetbenutzung wegzudenken – das Videoportal. Nun ja, vermutlich benutzt niemand mehr den Begriff „Videoportal“. Sollte man nicht gleich „Youtube“ oder „Clipfish“ oder „MyVideo“ sagen? Schließlich klicken wir weltweit jeden Tag kostenfrei, wann wir es wollen, wo wir es wollen, um die 100.000 Clips in solchen Portalen an, allen voran bei Marktführer Youtube. Unbedarft sehen wir Musikclips – sofern sie nicht gerade gesperrt wurden – , führen uns die besten Szenen aus Film und Fernsehen wieder und wieder zu Gemüte oder verfolgen die privaten Videobeiträge anderer User zu unseren persönlichen Lieblingsthemen. User generated Content (UGC) heißt das Stichwort! Beinahe regelmäßig machen uns Freunde, Bekannte oder Kollegen auf skurrile oder interessante Clips aufmerksam: „Hast Du schon gesehen …?“ „Nein?“ Um privat mitreden zu können, sollte man das Who is who der meistgeklicktesten Clips nicht vernachlässigen. Zumindest nicht, bis man die Schwelle der Universität überschreitet. Hier endet das Märchen vom Erfolg des Videoportals. Youtube für die Uni? Zu unseriös, nicht wissenschaftlich! Und der Sache mit dem Urheberrecht wird auch nicht genügend Aufmerksamkeit entgegengebracht. Dennoch: Ganz so düster sieht es mit dem Videoportal im universitären Rahmen betrachtet nun auch nicht aus. Vielleicht muss man nur länger darüber reflektieren, wozu es heute schon wissenschaftlich genutzt wird oder in Zukunft genutzt werden kann. Immerhin muss ein Videoportal ja nicht zwangsläufig kostenfrei und für jedermann zugänglich sein. Längst gibt es Möglichkeiten der Beschränkung von Zugriff und Nutzung von hochgeladenen Inhalten, z.B. in werbefreien Portalen wie Vimp.de. Demgegenüber bieten öffentliche Portale die Chance, wissenschaftliche Inhalte mit großer Reichweite für interessierte Nutzer auf der ganzen Welt zugänglich zu machen. Von dieser Reichweite profitieren Dozenten und Studierende selbst dann, wenn sie nur in der Funktion des bloßen Betrachters verblieben. Schnell und unkompliziert können Filme oder Filmausschnitte im Kurs abgerufen, präsentiert und diskutiert werden. Auch Dozenten, die Web-2.0-Anwendungen und Wissenschaft sonst für unvereinbar halten, nutzen diese Möglichkeit immer häufiger.

Wohin die Reise geht, wenn man die Videoportal-Nutzung auch im deutschsprachigen, wissenschaftlichen Rahmen vorantreibt, machen uns bereits internationale Videoplattformen wie z.B. AcademicEarth.org vor. Auf einem eigenen akademischen Videokanal können interessierte User hier wissenschaftlichen Vorträgen qualifizierter Dozenten folgen. Frei nach dem Motto „lebenslanges Lernen in einer offenen Hochschule“. Doch zurück nach Deutschland: Wäre es nicht wünschenswert,  Kursinhalten via Videolog folgen zu können, auch wenn man physisch nicht präsent sein kann? Ist dies nicht auch von dokumentarischem Nutzen, z.B. um bestimmte Inhalte, die im Kurs zur Sprache kamen, noch einmal aufleben zu lassen? Und warum sich nicht auch per Videoclip über einen anderen wissenschaftlichen Bereich interdisziplinäre Kenntnisse aneignen? Selbst für die studentische Nachwuchsgewinnung, insbesondere für kleinere, unbekanntere Fakultäten, wären universitäre Videokanäle eine gute Möglichkeit, um erste Einblicke in den Studienalltag des jeweiligen Studiengangs zu ermöglichen oder um allgemeine wissenschaftliche Standards zu vermitteln. Warum also werden Videoportale nicht häufiger wissenschaftlich genutzt?

Auf einen Blick:

Vorteile:

  • weltweite Verbreitung wissenschaftlicher Inhalte mit großer Reichweite für interessierte Nutzer
  • gut geeignet für das Präsentieren von Filmen/Filmausschnitten im Seminar
  • Kursinhalte können als Videolog aufgezeichnet und immer wieder abgerufen werden
  • Möglichkeit der Bildung akademischer Videokanäle
  • akademische Videokanäle können besonders das interdisziplinäre Lernen vereinfachen
  • ermöglichen lebenslanges Lernen
  • können zur Öffnung der Hochschule beitragen

Nachteile:

  • negativer Ruf: Videoportale gelten als unseriös
  • Gefahr der Vermischung von wissenschaftlichem und privatem Gebrauch
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Ein Gedanke zu „YouTube für die Uni?

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