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Kystfort.com – “Norwegens größtes Internetforum im Bereich der Okkupation und Militärgeschichte Deutschlands zwischen 1940 und 1945″

Screenshot der Startseite von Kystfort.com

Screenshot der Startseite von Kystfort.com

Das norwegische Informations- und Blogprojekt Kystfort.com wurde im Jahr 2005 erstmals erstellt und ist ausschließlich in norwegischer Sprache verfügbar. Dabei handelt es sich um eine Mischung aus WordPress-Blog, Informationssammlung und Internetforum. Betreiber des Projekts ist der norwegische Grafikdesigner Erik Hårberg, wobei projekteigene Beiträge auch von diversen anderen Autoren stammen. Das Ziel der Internetseite ist offenbar eine Darstellung und Vermittlung von Informationen rund um die deutsche Militärgeschichte in Norwegen der Jahre 1940 bis 1945, vorzugsweise deutsche Festungs- und Bunkeranlagen (“Atlantikwall”) betreffend. Gestützt wird Kystfort von einem Webshop namens Krigsbunkeren.no, der Texte, Bücher und Bilder, die im thematischen Bereich des Krieges in Norwegen angesiedelt sind, anbietet und ebenfalls von Hårberg betrieben wird.

Wie bereits erwähnt, handelt es sich bei Kystfort prinzipiell um einen WordPress-Blog, also ein System, durch welches einem Autor ermöglicht wird, ohne großartige Programmierungs- und Designkenntnisse mehr oder weniger regelmäßige Beiträge zu veröffentlichen, diese mit diversen Online-Medien, wie hypertextliche Querverweise oder Youtube-Videos, zu verbinden und anschließend mit Hilfe einer Kommentarfunktion zur Diskussion zu stellen. Doch der eigentliche, zentrale Inhalt der Seite besteht eher weniger aus dem Blog, da quantitativ kaum nennenswerte Beiträge veröffentlicht wurden (11 Beiträge im gesamten Jahr 2013). Der Großteil dieser Beiträge besteht aus kurzen Zusammenfassungen von Zeitungsartikeln, in denen das projektspezifische Thema behandelt wurde, bspw. als 2013 ein ehemaliger deutscher Bunkerkomplex in der Nähe von Stavanger im Zuge eines Wohnungsbauprojekts entdeckte. NRK berichtete über diesen Fund und thematisierte die Frage, was mit solchen Erinnerungsträgern geschehen soll (http://www.kystfort.com/?p=192).

Der Großteil des Inhalts von Kystfort besteht aus dem Forum, das man über den ersten Link in der horizontal verlaufenden Navigationsleiste erreichen kann. Neben der Vielfältigkeit der Kategorisierungen von Thematiken innerhalb des Forums, ist die Statistik von über 64.000 Beiträgen bei rund 3.800 registrierten Mitgliedern (Stand: 03.03.2014) enorm. Kystfort selber bezeichnet das Forum als Norwegens größtes Internetforum, das im Bereich der Okkupation und Militärgeschichte Deutschlands zwischen 1940 und 1945 angesiedelt ist. Es werden klare Benutzungsrichtlinien vermittelt, die politische Aussagen aus jedweder Richtung nicht dulden und ebenfalls dazu dienen, klarzustellen, dass das Kystfort-Forum ein unpolitischer Diskussionsort für historisch Interessierte ist.

Über den zweiten Menüpunkt der Navigation gelangt man zum allgemeinen Abschnitt der deutschen Bunkeranlagen in Norwegen, wobei sich hier ein Untermenü zur Spezifizierung in die verschiedenen Küstenregionen öffnet. Interessant ist hierbei, dass keiner dieser Inhalte – man nimmt beim ersten Blick an, es handle sich hier um die inhaltlich größte Subpage von Kystfort – explizit zu Kystfort gehört bzw. überhaupt Inhalt bietet, denn jeder der Links zu den verschiedenen Regionen beinhaltet eben keinen selbst verfassten Artikel mit Informationen o.Ä., sondern lediglich eine Verlinkung zum jeweiligen Bereich des Forums, was in keinster Weise erkennbar ist.

Der nächste Punkt in der Navigation lautet “Kystfort Informasjon” und beinhaltet eine Weiterleitung auf eine Seite innerhalb des WordPress-Blogs, auf der sämtliche Meldungen bzgl. des Projekts selber dargestellt werden, also im Grunde eine Zusammenfassung der Blogbeiträge, die das eigene Projekt betreffen, wie bspw. Änderungen an der Homepage. Dieser Kategorie kann man entnehmen, dass die Umstellung auf WordPress erst 2013 erfolgte und der Inhalt zuvor noch über ein anderes, nicht genanntes System dargestellt wurde.

Der darauf folgende Navigationspunkt ist der bereits erwähnte Webshop, der dem Projekt als (finanzielle Stütze) dienen soll. Hier wird man auf eine an sich fremde URL verlinkt (www.krigsbunkeren.no). “Nyheter fra land og strand” [dt. Neuigkeiten von Land und Strand] bildet den vorletzten Abschnitt der Navigation. Hier sind sämtliche Blogbeiträge zu finden, die sich nicht um das Projekt selber drehen, sondern konkreten thematischen Inhalt besitzen. Wie bereits erwähnt, handelt es sich hier zumeist um bereits veröffentlichte Artikel oder Beiträge, die kurz zusammengefasst und verlinkt werden.

Die letzte Kategorie “Kystfortblogg” beinhaltet lediglich einen Beitrag, der im Grunde nur aus einem einzigen Link zu einem PDF-Dokument besteht, welches sich “Andørja 1940-1945” nennt. Darin enthalten sind schriftlich festgehaltene Interviews von Zeitzeugen, die in diverse Kategorien unterteilt worden sind und von Evakuierung bis Widerstandsarbeit reichen.

Darüber hinaus bietet Kystfort weitere, für Blogs übliche Inhalte, wie eine Suchfunktion, ein Direktzugriff auf das Beitrags- und Kategoriearchiv sowie eine Kurzübersicht der letzten fünf Beiträge des Blogs. Ferner befindet sich auf der Startseite ein Kalender, der allerdings komplett ohne (aktuellen) Inhalt ist und dazu dienen soll, an bestimmte historische Ereignisse oder sonstige Aktivitäten, wie Ausstellungen o.Ä. in Kalenderform zu erinnern. Hinzu kommt, dass man direkt zu Beginn mit privaten Fotografien von bestimmten Bunkeranlagen konfrontiert wird.

Was die visuelle Umsetzung betrifft, wirkt das Projekt recht unfertig und erweckt den Anschein, als wäre es noch in der Entwicklungsphase. So befinden sich auf der Startseite am oberen und unteren Rand jeweils ein schwarz hinterlegter Bereich, der Webdesign-Vorlagentexte beinhaltet (Bsp.: “You can change this text using theme Settings > Footer”). Der gesamte Hintergrund der Webseite besteht aus einer offenbar von Hårberg selbst angefertigten Karte Norwegens, auf der sämtliche Bunkeranlagen und Stellungen eingezeichnet sind, und welche nebenbei auch im Webshop zum Verkauf steht und darüber hinaus auch Hintergrund des Webshops ist und das Logo dessen beinhaltet. So steht man also vom ersten Moment mit Werbung des Shops in Kontakt. Der Blog an sich ist in hellen Farben, vorwiegend weiß, hellgrau und blau gehalten, wobei die verschiedenen Bereichsüberschriften schwarz hinterlegt sind, wodurch diese sich ganz klar vom Rest abheben, was im Allgemeinen eine recht hohe Übersichtlichkeit sowie Neutralität hinsichtlich der Farbgebung zur Folge hat.

Das Logo der Projektseite Kystfort steht gut sichtbar direkt über der Navigationsleiste und besteht aus einer stilisierten Abbildung des von Stacheldraht umgebenen 28cm Geschützes der Festung Fjell. Da der Stacheldraht beinahe schon provokativ um das Geschütz verläuft, könnte man darin die Forderung zur Bewahrung von Küstenstellungen in Norwegen als Erinnerungsort des Krieges (norw. “krigsminne”) deuten. Mit Blick auf das Forum, den inhaltlich vermeintlich größten Teil der Seite, sticht einem die Bannerwerbung im Header ins Auge. Zum Einen wird auch hier mittels Banner für den Webshop geworben, aber zum Anderen existiert auch ein Banner, der für einen fremden Webshop für Outdoorbekleidung und Ausrüstung mit dem Slogan “Utstyret til Bunkerturen finner du hos oss!” [dt. “Ausrüstung für Bunkertouren findest du bei uns!”] wirbt (www.utstyrskontroll.no).

Das Projekt kann teilweise als problematisch eingeschätzt werden, denn der erste Eindruck der Seite ist durchzogen von obskur und beinahe schon verherrlichend wirkenden Abbildungen. Man wird förmlich überrannt von Fotos deutscher Küstengeschütze, was, speziell in Verbindung mit der scheinbaren Lückenhaftigkeit der visuellen und teilweise auch inhaltlichen Bearbeitung, das Projekt in eine gewisse Unseriosität drängen könnte. Auch die Aufdringlichkeit der Werbung durch das gewählte Hintergrundbild des Blogs trägt ihren Teil dazu bei. Dabei ist die Intention von Kystfort, nämlich das Bewahren von Bunkeranlagen der Deutschen im besetzten Norwegen als Erinnerungsorte des Krieges, eine durchaus sinnvolle und meines Erachtens nach auch lobenswerte. Dabei scheinen die Betreiber auf reges Interesse zu stoßen, wie es die Statistiken des Forums offenlegen. Laut eigener Aussage sind die Mitglieder über das ganze Land verstreut und haben Spaß daran, Touren durchzuführen und Überreste oder bestehende Bunkeranlagen zu entdecken oder zu fotografieren und Besonderheiten zu diskutieren. Sogar gemeinsame “Community-Treffen” zu gemeinsamen Touren werden geplant und auf Bildern festgehalten. Auf der anderen Seite erscheint es als problematisch, dass Autoren oder Betreiber kaum klar erkennbar sind. Informationen über Hårberg findet man erst über die Verlinkung zum Webshop und von dort zu seiner persönlichen Homepage.

Abschließend lässt sich sagen, dass Kystfort ein interessantes Projekt ist, das einen positiven Grundgedanken beherbergt, den offensichtlich sehr viele User teilen. Die teils misslungene Umsetzung, die an einigen Stellen recht lückenhaft und unfertig wirkt, verhält sich hier wie eine Hürde. Offenbar hatte man 2013 vor, Kystfort auf WordPress umzustellen, doch es wirkt, als wäre dieses Vorhaben angefangen und nie beendet worden, was sehr schade ist, da besonders das Forum ein wertvoller Ort zu sein scheint, der ziemlich ungeschickt in die Seite eingebunden ist, sodass die Unübersichtlichkeit vorherrscht.

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Elevblogg – ein undurchsichtiges Schulprojekt?

Screenshot des ersten Eintrags

Screenshot des ersten Eintrags “Tyskerjenter urettferdig behandlet”

Den 2. Verdenskrig – Elevblogg med repportasjer fra 2. verdenskrig [Der 2. Weltkrieg – Schülerblog mit Berichten vom 2. Weltkrieg]* ist ein einfach gestalteter WordPress-Blog mit elf Beiträgen zum Zweiten Weltkrieg in Norwegen und Europa. Die Themen reichen vom Blitzkrieg, über die Judenverfolgung bis zum D-Day. Weiter beschäftigen sich gleich zwei Beiträge mit Krigsbarn und der Behandlung ihrer Mütter durch die norwegische Gesellschaft. Alle Einträge sind, wovon durch die Überschrift Elevblogg ausgegangen werden kann, von Schülern verfasst. Die Namen der jeweiligen Autoren sind vor oder nach den einzelnen Einträgen vermerkt. Leider findet sich jedoch kein einleitender Text, ein Hinweis auf ein Projekt oder gar ein Impressum, aus dem nähere Informationen zur Entstehung des Blogs gezogen werden könnten.

Tyskerjenter urettferdig behandlet? [‚Deutschenflittchen‘ ungerecht behandelt?]

fragt der erste Eintrag, der sich explizit mit Frauen, die ein Verhältnis zu deutschen Soldaten hatten, auseinandersetzt. Dabei wird besonders auf die Internierung der meist jungen Frauen eingegangen, die offiziell deren Schutz vor Anfeindungen aus der Gesellschaft dienen und weiter die Ausbreitung von Geschlechtskrankheiten verhindern sollte. Weiter wird der Entzug der norwegischen Staatsbürgerschaft und die Ausweisung nach Deutschland thematisiert. Die öffentliche Verfolgung der im Eintrag als Tyskerjenter bezeichneten Frauen wird schließlich mit den Grausamkeiten gegenüber den Juden verglichen und die Frage gestellt „Hadde vi ikke nettopp kjempet for frihet og rettferdighet for alle folkeslag?“ [Hatten wir nicht gerade erst gekämpft, für Freiheit und Gerechtigkeit für alle Menschen?]. Die Autorinnen kommen zu dem Schluss, dass sich die meisten Frauen wohl aus Liebe mit den deutschen Soldaten eingelassen hatten und ihre anschließende Behandlung durch die Behörden deutlich zu hinterfragen sei.

Der Eintrag wird durch verschiedene Bilder unterstützt: So sind zu Eingang des Textes mehrere Personen hinter einem hohen Zaun vor einem großen Gebäude stehend zu sehen. Die Bildunterschrift spricht von Tyskerjenter im Internierungslager, betrachtet man das Foto jedoch ein wenig genauer, scheinen die abgebildeten Personen eher männlich zu sein. Des Weiteren fehlen jedwede Quellenangaben des Fotos. Ähnliches zeigt sich beim zweiten Bild: Hier hängt eine Frau über einer Bank, auf ihrem nackten Rücken prangt ein Hakenkreuz. Die Bildunterschrift geht hier auf die Haarschur ein, mit der die Frauen gekennzeichnet wurden, aber auch hier finden sich erneut keine Quellenangaben, die Links der Fußnoten leiten bei diesen Fotos zu Google weiter.

Abschließend wird der Eintrag durch ein in den Text eingebettetes YouTube-Video ergänzt, welches laut Blogeintrag aus einer Nachrichtensendung von 1945 stammt. Das Video zeigt dabei die Einrichtung des Hauptlagers auf Hovedøya in Oslo. Ein weiterer Kommentar dazu findet sich nicht. Festgehalten werden sollte weiter, dass die Autorinnen auf eine sehr unklare Weise erwähnt werden: „Dette debattinnlegget er skrevet av Gudrun(Vilde) og Gjertrud(Marie L) 06. desember 1955“ [Dieser Diskussionsbreitrag wurde von Gudrun(Vilde) und Gjertrud(Maire L) am 06. Dezember 1955 geschrieben]. Der Text wirkt teils in einem tagesaktuellen Schreibstil verfasst, die Nachweise zu den Informationen, die mit Fußnoten angegeben sind, verweisen jedoch alle samt auf Onlinelexikoneinträge und Zeitungsartikel aus dem Jahr 2008. Inhalt und Form des Eintrags lassen zu dem Schluss kommen, dass ein Beitrag aus dem Jahre 1955 teils verwendet, dies aber nicht deutlich gekennzeichnet wurde und sich der Text so aus möglichen alten und neuen Teilen zusammensetzt. Das Bild, das sich in Bezug auf die Quellenkritik somit abzeichnet, wirkt jedoch nicht ungewöhnlich, wird bedacht, dass man es hier mit einem Schülerblog zu tun hat.

Tyskertøsene [‚Deutschenflittchen‘]

ist der zweite Eintrag, der zunächst erklärend auf die Begriffe tyskertøs und tyskerjenter eingeht. Es folgt eine Aufzählung der Vorwürfe, die gegen die Frauen erhoben wurden, die ein Verhältnis mit einem deutschen Soldaten hatten. Die Grausamkeiten aus der Bevölkerung gegenüber den Frauen und die Andeutung, die Internierung wäre nur vordergründig zum Schutz dieser geschehen, zeigt die kritische Haltung der Autorinnen, die im Weiteren auch die geschichtliche Aufarbeitung und Rehabilitierung der Frauen als vernachlässigt ansehen. Mit zwei Beispielen wird beschrieben, dass es auch während der fünfjährigen Besatzungszeit ein Alltagsleben gab, das Norweger und Deutsche besonders im Norden teilten. Somit sei es auch nicht verwunderlich, dass norwegische Frauen Verhältnisse mit den deutschen Soldaten eingingen. Beide Beispiele zeigen Frauen, die aus Liebe zu den Soldaten die Häme aus der Bevölkerung und das Internierungslager auf sich nahmen und durch ihre Heirat sogar die norwegische Staatsbürgerschaft aufgaben.

Mit einem thematischen Schwenk im Eintrag vollzieht sich auch ein perspektivischer Wechsel. Behandelt wird nun die Geschichte der krigsbarn, die zunächst als Opfer ihrer Mütter dargestellt werden. Die Mütter, so die Autorinnen, die ein Verhältnis zu den Besatzern eingingen, versuchten die Schande, die in Form ihrer Kinder deutlich sichtbar schien, durch das Schweigen über die Väter oder gar Adoption zu schmälern. Erst anschließend wird auf den Verein Lebensborn, dessen Programm und die Schikanen, unter denen die Kinder zu leiden hatten, fokussiert. Die Situation der krigsbarn wird ausführlich geschildert, auch die ungerechte Behandlung durch den Staat durch das Vorenthalten der Staatsbürgerschaft gegenüber Kindern, deren Mütter sich für eine Heirat mit einem Deutschen entschieden hatten, sowie daraus resultierende psychische Leiden werden angesprochen. Bis heute, resümieren die Autorinnen, litten die Kinder unter der damaligen Wahl der Mütter.

Zu einem Ende und erneuten Wechsel der Perspektive kommt es im Text durch ein Interview mit einem sog. krigsbarn. Der Interviewte beschreibt seine Eltern, gegensätzlich zur Darstellung im vorausgegangenen Absatzw, jedoch sehr liebevoll. Er gibt die Schuld für die Häme, die sie alle über sich ergehen lassen mussten, vor allem der norwegischen Bevölkerung.

Auch dieser Beitrag wird durch die Angabe von Verweisen unterstützt, wenn sich auch bei den Fotos ein ähnliches Bild wie im ersten Beitrag zeigt. Lediglich das letzte enthält zumindest die Angabe aus Privatbesitz zu stammen. Im Übrigen erklärt der Text die Fakten sachlich und ausführlich, sobald es jedoch zu Einzelschicksalen kommt, findet sich eine in schwarz und weiß unterteilte Haltung. Dies zeigt sich besonders im Wechsel des Fokus von den Müttern auf die Kinder. Hier lässt sich leider nicht erkennen, ob sich die Haltung der Autorinnen gegenüber dem Thema gleichermaßen mit der Sichtweise ändert, oder ob die Unterkapitel unter den vier Autorinnen aufgeteilt wurden und so ein anderer Blickwinkel zustande kommt. Da es, wie bereits erwähnt, auch keine Hinweise auf die Schüler gibt, wie z.B. ihr Alter, lässt sich nur schwer eine sichere Aussage darüber machen, ob der Eindruck der schwarz-weißen Sichtweise auf eben dieses zurückzuführen ist.

 Viele Verweise und trotzdem undurchsichtig

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die beiden Blogeinträge eine übersichtliche Einführung in die Thematik der krigsbarn und ihrer Mütter geben. Die Informationen werden in kompakten Texten wiedergegeben, ohne den Leser jedoch mit zu vielen Fakten zu überhäufen. Ein Mangel, der sich jedoch zeigt, ist die teils unsaubere Arbeit mit Verweisen, dies besonders im Hinblick auf die Verwendung von Fotos. Da weiter auch in den Texten Unstimmigkeiten, wie der oben genannte plötzliche Perspektivenwechsel auftreten und zudem Unklarheiten über die Autorinnen bestehen, wird die Glaubwürdigkeit der Einträge doch untergraben. Natürlich ist der Standard eines Schülerblogs in Fragen der Quellenkritik ein anderer, als der eines wissenschaftlichen Aufsatzes, wenn es den Autorinnen jedoch gelingt die vorhanden Verweise korrekt anzugeben, sollte es nicht zu viel verlangt sein auch die eigens verfassen Teile deutlich zu kennzeichnen. Abschließend stellt sich der Blog als interessantes Medium dar, um mit Schülern den Zweiten Weltkrieg zu diskutieren und aufzuarbeiten und so ein lang vergessenes bzw. verschwiegenes Thema zu erinnern. Allerdings ist noch einmal zu erwähnten, dass hier ganz klar zumindest ein Vermerk zum Hintergrund des Blogs fehlt.

*Die Übersetzungen im vorliegenden Text stammen von der Autorin und sind durch [ ] gekennzeichnet.

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„Bei uns gibt es keine Judenfrage“

„Bei uns gibt es keine Judenfrage“ (Rautkallio 2004, 215) sagte Johan W. Rangell (finnischer Premierminister 1941 – 1943) angeblich zu Heinrich Himmler. Damit sollte zum Ausdruck gebracht werden, dass Finnland „historisch praktisch unbelastet vom Antisemitismus“ (Zägel 2007, 185) war. Weder kam es zur Verabschiedung antisemitischer Gesetze, noch zu (offiziellen) Auslieferungen durch die Regierung. Das ist jedenfalls die Darstellung Hannu Rautkallios in seinem Werk zur finnischen Geschichte des Zweiten Weltkrieges. (Finland and the Holocaust: The rescue of Finland`s Jews.) Zwar beschäftigt Rautkallio sich mit Auslieferungen von insbesondere russischen und estnischen Flüchtlingen in das deutsch besetzte Estland, begründet diese allerdings mit der Verletzung des finnischen Asylrechts. Die im Vordergrund schwebende Botschaft ist: Finnland hat sich während des Zweiten Weltkrieges für den Schutz seiner Juden eingesetzt.

Kontrovers dazu forscht die finnische Sozialwissenschaftlerin Elina Sana, die nachweisen konnte, dass sowohl die offiziellen als auch die inoffiziellen Verbindungen zwischen Deutschland und Finnland sprich Gestapo und Valpo (finnische Staatspolizei) viel enger und verstrickter waren als bis dahin angenommen wurden ist. Unter anderem fand sie Dokumente, die bewiesen, dass etwa 3000 sowjetische Kriegsgefangene und mindestens 129 Zivilisten an die Gestapo und SD ausgeliefert worden sind, von denen die meisten in Konzentrationslagern starben. Darunter befanden sich circa 70 Juden. Sanas Veröffentlichung war zu Beginn sehr umstritten, brachte sie doch das finnische Selbstbild zum Wanken. Daher führte ihre Veröffentlichung auch zu einem Auftrag der Regierung, ihre Befunde zu untersuchen. Diese Aufgabe kam dem Historiker Heikki Ylikangas zu, der Sanas Ergebnisse nicht nur bestätigte sondern auch zu weiteren Forschungen anregte.

Weiterführende Literatur:

Zägel, Jörg; Reiner Steinweg: „Vergangenheitsdiskurse in der Ostseeregion. 1. Auseinandersetzungen in den nordischen Staaten über Krieg, Völkermord, Diktatur, Besatzung und Vertreibung“. Berlin 2007.

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Krigsbarn

“Mach dich weg nach Deutschland, du ‘Deutschenbalg’, rief der Großvater seinem Enkelkind hinterher. Er hat es nie geschafft sich damit zu versöhnen, dass seine Tochter ein Kind mit einem deutschen Soldaten bekam. Die Schande war einfach zu gewaltig. “

Deutschenbalg – Tyskerunge

Sätze wie den obigen mussten sich viele Kinder anhören, die von einer norwegischen Mutter und einem deutschen Soldaten als Vater gezeugt wurden. Deutlich wird hier die stark negative Konnotation der Bezeichnung Deutschenbalg – Tyskerunge. Bereits im Ansatz zeigt sich die Notwendigkeit zur Reflektion über die Verwendung von Begriffen. Weiter finden sich Bezeichnungen wie Tyskerbarn oder Lausunge, die in etwa dem bereits genannten Begriff Deutschenbalg entsprechen. Nicht nur die Kinder mussten unter ihrer Herkunft leiden: Ihre Mütter wurden mit stigmatisierenden Begriffen wie Tyskertøs oder Tyskerjente (in etwa ‘Deutschenflittchen’) bezeichnet und häufig als Verräterinnen aus der norwegischen Gesellschaft ausgeschlossen. Dies gipfelte unter anderem in der Zwangsinternierung der Frauen in der Nachkriegszeit.

In unseren folgenden Artikeln beschäftigen wir uns mit Erinnerungen und Darstellungen des Schicksals dieser Frauen und Kinder. Dabei bearbeiten wir ausschließlich im Internet vorhandenes Material, wobei wir verschiedene Schwerpunkte bei der Auswahl setzen. Gemeinsames Ziel unseres Vorgehens ist zunächst einen kritischen Überblick zu möglichen Quellen zu geben.

Um der Reproduktion der Stigmatisierung zu entgehen, verwenden wir im Folgenden den in der aktuellen Forschung angewandten Begriff Krigsbarn für die Kinder. Da synonyme Ausdrücke für die Mütter fehlen, müssen wir hier auf Umschreibungen zurückgreifen.

In der Auseinandersetzung mit den Quellen orientieren wir uns an den in der Einleitung genannten Leitfragen.

F.E./R.B./R.G./J.S.

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Die Zukunft der Musikbranche – Streaming-Dienste

Spotiy

Spotiy

Platten sind retro, CD’s schon wieder out und Musicdownload überholt. Napster, simfy, Spotify & Co., sogenannte Streaming-Dienste, sind nun das must have. Während Schweden bereits 82 Prozent der digitalen Umsätze mit Online-Streaming macht, steckt die Musikbranche in Deutschland diesbezüglich noch in den Kinderschuhen … Weiterlesen

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Google Art Project

The Starry Night (1889) von Vincent Van Gogh MoMa, The Museum of Modern Art

The Starry Night (1889)
von Vincent Van Gogh
MoMa, The Museum of Modern Art

Sie wollten schon immer einmal die Kunstsammlung des Museum of Modern Art  in New York besichtigen? Das Art Project der weltgrößten Suchmaschine google macht es möglich… ohne dazu selbst in der Stadt zu sein. Weiterlesen

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Pippi Langstrumpf goes digital

©Filimundus

©Filimundus

iPad, Androids und Apps haben nicht nur eine große Anziehungskraft auf Erwachsene und Jugendliche. Auch die Kleinsten unter uns begeistern sich immer mehr für Smartphones und Tablets. Kein Wunder, dass Apps für Kleinkinder einen regelrechten Boom erleben. Das schwedische Unternehmen Filimundus (Fili:Kind; mundus:Welt = eine Welt für Kinder) hat sich auf Apps für Kinder zwischen vier und acht Jahren spezialisiert. Wer jetzt allerdings an sinnlose Spielereien denkt, täuscht sich … Weiterlesen

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Gesicht geben

© Andrea Gjestvang | Agentur MOMENT

© Andrea Gjestvang | Agentur MOMENT

Norwegen, 22. Juli 2011 – ein Tag, der für immer im kollektiven und persönlichem Gedächtnis verankert sein wird. Bei einem Bombenanschlag im Regierungsviertel Oslos sterben acht Menschen. Wenige Stunden später werden 69 Jugendliche auf der Insel Utøya getötet. Während die Person Anders Bering Breivik im Vordergrund des medialen Interesses stand, widmete sich die Fotografin Andrea Gjestvang den Überlebenden. Weiterlesen

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Schwedens digitale Rundfunk- und Fernseharchive: Zeitgeschichte nacherleben im Internet

Das Team von Eisbrecher probiert etwas Neues: Dieser Artikel ist als Podcast abrufbar – mit zahlreichen Orginal-Ton-Dokumenten aus den Archiven des Schwedischen Rundfunks zum Anhören. Vielen Dank für die freundliche Genehmigung an Anna Wesslau (Sveriges Radio)! Weiterlesen

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Bloggen für die eigene Stadt!

Marcus Hansson auf flickr.com

 Literaturszene befördert neuen Austausch in Stockholm!

In einem Gemeinschaftsprojekt zwischen der Stockholmer Stadsbiblioteket, Stadsmuséet und Stockholmskällan werden mit Hilfe von verschiedenen Blogs die Geschichte und Geschichten der Stadt Stockholm festgehalten. Ziel ist es, einen Austausch mit den Bürgern der Stadt zu schaffen. Hier werden auf unterschiedlichen Ebenen ganz viele Bereiche der Literatur angesprochen und diskutiert. Jeder Einzelne soll sich dazu aufgerufen fühlen, mitzumachen und seine individuelle Geschichte zu erzählen oder Kritik an den Institutionen zu leisten. Engagierte Partizipation auf kultureller Ebene!

Die drei literarischen Institutionen der Stadt Stockholm führen mit unterschiedlichen Blogs eine neue Art von Kommunikation an und begründen neue Wege. Ein Vorbild für alle Arten von Institutionen in Europa und den Rest der Welt? Denkbar wäre es.

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